30.11.2022

Wie können die vermiedenen Emissionen von erneuerbaren Energien Anlagen berechnet werden?

Motivation und Ausgangspunkt

Im Kontext des Sustainable Finance Frameworks der EU nimmt die Bedeutung von Nachhaltigkeitskennzahlen immer mehr zu. Da Investor:innen Nachhaltigkeitskriterien zunehmend in ihre Entscheidungen einbeziehen, wird es für Kapitalanlagegesellschaften wie Aquila Capital immer relevanter, Nachhaltigkeitskennzahlen zu erheben und zu kommunizieren. Aquila Capital ist eine Investmentgesellschaft mit Fokus auf Investments im Bereich Erneuerbare Energien (EE) und nachhaltigen Infrastrukturprojekten. Als Nachhaltigkeitskennzahl wurden bisher die Emissionen, die EE-Anlagen über ihre Lebensdauer im Vergleich zum verdrängten Strommix einsparen, berechnet. In diesem Kontext wurde die FfE als unabhängige wissenschaftliche Institution beauftragt, die bestehende Methodik und Datenbasis weiterzuentwickeln. Ziel des Projekts war es, einen transparenten, glaubwürdigen, nachvollziehbaren, praktikablen und konsistenten Ansatz zur Berechnung vermiedener Emissionen zu entwickeln. Die resultierende Methodik und Datenbasis berücksichtigen sowohl die Emissionen des gesamten Lebenszyklus als auch die zukünftigen Entwicklungen des Energiesystems.

Vorgehensweise zur Berechnung der vermiedenen Emissionen

Die grundsätzliche Methodik zur Berechnung vermiedener Emissionen ist in Abbildung 1 dargestellt. Die über die Lebensdauer vermiedenen Emissionen berechnen sich aus der Summe der Emissionen des verdrängten Netzbezugs abzüglich der Emissionen der EE-Anlage.

Abbildung 1: Ansatz für die Berechnung der über die Lebensdauer vermiedenen Emissionen von Erneuerbaren Energien (EE)

Als Datenbasis für die Berechnung wird die Zusammensetzung des aktuellen und zukünftigen Strommixes in Abhängigkeit vom Standort sowie von Emissionsfaktoren für alle konventionellen und erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen benötigt. Die Emissionsfaktoren berücksichtigen dabei, wie in Abbildung 2 dargestellt, die Treibhausgas-Emissionen aus allen Lebenszyklusphasen.

Abbildung 2: Berücksichtigte Lebenszyklusphasen bei energietechnischen Anlagen

Die Herausforderung bei Bestimmung solcher lebenszyklusbasierten Emissionsfaktoren ist die Auswahl konsistenter und transparenter Datenquellen, welche den aktuelle Technologiestand abbilden. Hierfür war eine Kombination verschiedener Quellen in Abhängigkeit von der energietechnischen Anlage nötig. So wurden unter anderem Daten der International Energy Agency, aus der Ökobilanzdatenbank ecoinvent oder aktuelle Literaturquellen verwendet.

Für die Bestimmung des aktuellen und zukünftigen Strommix werden die Ergebnisse eines weltweiten Energiesystemmodells benötigt. Dieses sollte geographisch aufgelöst sein, einen Zeithorizont bis mindestens 2050 aufweisen und regelmäßig aktualisiert werden. Zudem sollte das verwendete Szenario mit der Storyline, also dem verstärkten Ausbau von EE, in Einklang sein. Aus diesen Gründen wurde das Modell „IMAGE“ verwendet, das von der Netherlands Environmental Assessment Agency veröffentlicht worden ist.

Die Berechnungsmethode stellt eine möglichst genaue Abschätzung der Emissionsvermeidung verschiedener Investitionen dar, nichtsdestotrotz unterliegt auch dies einigen Unsicherheiten und Näherungswerten. Hierbei könnten zukünftige Veränderungen der Demographie oder des wirtschaftlichen Wachstums eine große Rolle spielen, aber auch systemische Effekte, wie beispielsweise die Elektrifizierung von neuen Anwendungen, können die Ergebnisse maßgeblich beeinflussen. Insbesondere kurz- bis mittelfristig sind die vermiedenen Emissionen jedoch ein nützlicher Indikator, um den positiven Beitrag erneuerbarer Energien zum Klimaschutz zu quantifizieren.

Verwendung der Ergebnisse

So konnte im Projekt eine wissenschaftlich fundierte, aber auch praktikable Methode und Datenbasis zur Berechnung von vermiedenen Emissionen über die Lebensdauer von EE-Anlagen bereitgestellt werden. Die Methodik und Datenbasis wurden nach Abschluss des Projekts vom TÜV überprüft und verifiziert. Die mithilfe der Methodik quantifizierten Kennzahlen können anschließend zur Berichterstattung gegenüber aktuellen und potenziellen Investor:innen sowie zur Identifikation von Reduktionspotentialen durch EE-Projekte verwendet werden.

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