Partizipation im (digitalen) Energiesystem – Hintergrund

Beitragsreihe „Partizipation im (digitalen) Energiesystem“ – Hintergrund

Veröffentlicht am 17.03.2020

Trends der Energiewende – wachsende Relevanz gesellschaftlicher Partizipation

Die Transformation des Energiesystems wird weltweit von verschiedenen Trends geprägt, bezeichnet als die „Ds“ der Energiewende. Dazu zählen allen voran die Dekarbonisierung aber auch eine Degression der Kosten für Technologien erneuerbarer Energien (EE) und Speicher sowie der einhergehende Trend der Dezentralität. Auch in Deutschland ist vor allem seit Einführung der EEG-Einspeisevergütung im Jahre 2000 die Entwicklung hin zu einem dezentralen Energiesystem zu beobachten. Ein Wachstum erfolgte insbesondere bei dezentralen Photovoltaikanlagen (PV) [1]. Einhergehend erfolgt der Trend einer Demokratisierung des Energiesystems. Bisher passive Letztverbraucher entscheiden als Besitzer dezentraler Erzeugungsanlagen darüber, ihren erzeugten PV-Strom entweder selbst zu verbrauchen oder ins Netz einzuspeisen. Sie agieren dabei als sogenannte „Prosumer“ am Energiesystem.

Aus Systemsicht führt die Verbreitung dezentraler EE-Anlagen jedoch durch eine zunehmend volatile, wetterabhängige Erzeugung zur erschwerten Netzplanung. Eine weitere Belastung für Verteilnetze stellt die wachsende Anzahl elektrischer Verbraucher in den Sektoren Verkehr und private Haushalte dar, u. a. durch Elektromobilität oder auch elektrische Heizsysteme wie Wärmepumpen (vgl.[1]). Als Lösungsansatz entwickelt die FfE als Teil des SINTEG-Projektes „C/sells“ einen lokalen Flexibilitätsmarkt als Möglichkeit für marktbasiertes Engpassmanagement. Umgesetzt wird dieser gemeinsam mit dem Verteilnetzbetreiber Bayernwerk AG in einem Feldversuch in Altdorf bei Landshut – dem Altdorfer Flexmarkt (ALF) [2], [3]. Dabei wird es Besitzer*innen dezentraler Speicher, Erzeugungs- oder Verbrauchsanlagen ermöglicht, als sogenannte „Flexumer“ (vgl. [4]) am Energiesystem zu partizipieren, indem sie ihre Anlagen zum flexiblen Einsatz und somit zur Netzstabilisierung zur Verfügung stellen.

Grundlage für innovative Lösungskonzepte wie ALF ist eine intelligente Infrastruktur, welche durch den Trend der Digitalisierung ermöglicht wird. Laut dem von der deutschen Bundesregierung im Jahre 2016 verabschiedeten Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende (GDEW) [5] wird eine digitale Energieinfrastruktur als Notwendigkeit gesehen, um das Ziel von 80 % EE im deutschen Bruttostromverbrauch bis 2050 ([6]) zu erreichen. Durch den beschlossenen Rollout intelligenter Messgeräte (iMSys) können unter anderem neue Geschäftsmodelle zur gesellschaftlichen Partizipation zur verbesserten Integration von EE beitragen. Zur Erreichung des durch innovative Lösungskonzepte angestrebten Beitrags zur Energiewende spielen jedoch auch Verhaltensweisen eine relevante Rolle. Zum einen können positive Effekte durch die Nutzung intelligenter Lösungskonzepte erzielt, zum anderen durch sogenannte „Rebound-Effekte“ jedoch ausgeglichen oder sogar überkompensiert werden (vgl. [7]). Demnach gewinnen neben der Teilnahme an Demonstrationsprojekten auch Vorstufen der Partizipation, wie die zielgerichtete Information, an Relevanz.

Als Schlussfolgerung derzeitiger Trends im Energiesystem rückt die Rolle privater Letztverbraucher allgemein in den Vordergrund. Zum einen können sie als Besitzer dezentraler Anlagen und durch die Nutzung von neuen, digitalen Geschäftsmodellen zur Integration von EE und Netzstabilisierung beitragen. Zum anderen bestimmen Verhaltensweisen bzw. das Nutzerverhalten die tatsächliche Erreichung des angestrebten Mehrwerts der Digitalisierungsmaßnahmen mit Auswirkungen auf Energieverbrauch und somit in weiterer Folge den Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Die Umsetzung verschiedener Stufen gesellschaftlicher Partizipation ist daher ein wichtiger Bestandteil im zukünftigen Energiesystem.

 

Gesellschaftliche Partizipation Schaubild

Abbildung: Gesellschaftliche Partizipation als Baustein dezentraler und digitaler Energiesysteme

Partizipation im Projekt C/sells

Gemäß der C/sells-Leitidee ist das Projekt ALF sowohl eine der 35 C/sells-Demonstrationszellen als auch eine sogenannte „Partizipationszelle“. Demnach ist die Einbeziehung von Bürger*innen fester Bestandteil des Projektvorhabens. Bei der Entwicklung und Umsetzung des Partizipationskonzeptes für ALF als auch in weiteren C/sells Partizipationszellen konnten Erkenntnisse zu Herausforderungen und Erfolgsfaktoren gesellschaftlicher Partizipation im digitalen Energiesystem gesammelt werden. In einer Beitragsreihe werden diese in folgenden Artikeln dargelegt:

 

Weiterführende Informationen:

Quellen:

[1]  Bogensperger, Alexander et al.: Smart Meter, Prosumer, Flexumer - Wie die Digitalisierung die Rolle von Verbrauchern verändert. München: Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. (FfE), 2019.
[2] Köppl, Simon et al.: Altdorfer Flexmarkt – Decentral flexibility for distribution networks. In: Internationaler ETG-Kongress 2019. Esslingen: VDE ETG, 2019.
[3] Zeiselmair, Andreas et al.: Netzdienlicher Handel als Element des zellulären Energiesystems am Beispiel des Altdorfer Flexmarkts (ALF) - 11. Internationale Energiewirtschaftstagung (IEWT). Wien: Technische Universität Wien, 2019.
[4] Westphal, Egon Leo et al.: Flexumer als Gestalter der digitalen Energiezukunft – Eine Begriffseinordnung. In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 7/8. Berlin: Bayernwerk AG, Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V., 2019.
[5] Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende. Berlin: Bundesregierung, 2016
[6] Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz - EEG 2017). Berlin: Bundesregierung Deutschland, 2017
[7]  Wohlschlager, Daniela et al.: Ökologische Bewertung digitaler Energieinfrastruktur. In: 16. Symposium Energieinnovation 2020: ENERGY FOR FUTURE - Wege zur Klimaneutralität; Graz: Technische Universität Graz (TU Graz), Institut für Elektrizitätswirtschaft und Energieinnovation (IEE), 2020.
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