23.04.2026

Zusammenspiel von Energy Sharing mit anderen energiewirtschaftlichen Mechanismen

Energy Sharing Whitepaper Serie

Energy Sharing bezeichnet die koordinierte Nutzung und Erzeugung von Strom, unabhängig von etablierten Marktrollen, einschließlich der Einbeziehung einer oder mehrerer Spannungsebenen des öffentlichen Netzes. Durch Energy Sharing besteht die Hoffnung, intrinsisch mehrere positive Rückwirkungen kombinieren zu können [1]. Unter anderem kann es eine stärkere Teilhabe von Privatpersonen an der Energiewende ermöglichen und hierdurch die Akzeptanz für erneuerbare Energien sowie Privatinvestitionen steigern. Zudem ist es möglich, dass Energy Sharing auf lokaler Ebene Anreize für einen netzdienlichen Einsatz flexibler Verbrauchseinrichtung schaffen wird [2].

Im Dezember 2025 ist eine Novelle des Energiewirtschafts-Gesetzes (EnWG) in Kraft getreten die Energy Sharing unter Nutzung des öffentlichen Netzes möglich macht. Hieraus ergeben sich verschiedene Fragestellungen zur Umsetzung, Preisgestaltung, sowie zu möglichen Systemrückwirkungen. In dieser Beitragsreihe geben wir einen Einblick in die regulatorischen Grundlagen, aktuelle Entwicklungen und erläutern mögliche Ausgestaltungsformen, sowie die Implikationen für das Energiesystem.

Was finden Sie in Whitepaper 4?

Das vierte Whitepaper der Reihe analysiert das Zusammenspiel von Energy Sharing nach § 42c EnWG mit anderen energiewirtschaftlichen Mechanismen, die aktuell oder künftig das Verhalten von Erzeugern und Verbrauchern prägen. Dabei werden Thesen und Fragen, die im Rahmen des Forschungsprojekts SkIES durch Feldversuche und Simulationen untersucht werden sollen, vorgestellt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Energy Sharing in ein zunehmend dynamisches und flexibilitätsorientiertes Energiesystem eingebettet werden kann, ohne Fehlanreize zu setzen oder bestehende Instrumente zu konterkarieren.

Konkret behandelt das Whitepaper zwei große Themenfelder:

  • Investitionsanreize und Teilhabe:
    Es wird untersucht, wie sich Energy Sharing im Kontext veränderter Förderbedingungen (insb. sinkende EEG‑Vergütung) auf Investitionen von Prosumern und Energiegenossenschaften auswirkt. Dabei werden Alternativen zur klassischen Einspeisung eingeordnet und die Rolle von Speichern sowie gemeinschaftlichen Modellen hervorgehoben.
  • Flexibilitäten, Preissignale und Netzbezug:
    Das Whitepaper analysiert, wie Energy Sharing mit dynamischen Stromtarifen, zeitvariablen Netzentgelten (§ 14a EnWG), direkter Steuerung, Direktvermarktung, Redispatch‑Ansätzen und Flexibilitätsmärkten zusammenspielt. Ein besonderer Fokus liegt darauf, unter welchen Bedingungen Energy Sharing einen netz‑ und systemdienlichen Beitrag leisten kann – insbesondere durch koordinierte Verbrauchsanpassung und gemeinschaftliche Optimierung von Flexibilitäten.

Eine zentrale These ist, dass der Mehrwert von Energy Sharing nicht primär in der bilanziellen Zuordnung von Strommengen, sondern in der Hebung und Bündelung lokaler Flexibilitäten liegt. Energy‑Sharing‑Communities können dadurch perspektivisch auch eine Rolle bei der netzorientierten Flexibilitätsbereitstellung übernehmen.

Für wen ist das Whitepaper relevant?

  • Energiegenossenschaften und Bürgerenergie‑Akteure, die Energy Sharing als Modell für Investitionen, Teilhabe und lokale Stromversorgung bewerten wollen
  • Prosumernahe Marktakteure, z. B. Dienstleister, Aggregatoren oder EMS‑Anbieter, die neue Geschäftsmodelle im Umfeld von Flexibilität, Direktvermarktung und Gemeinschaftslösungen entwickeln
  • Netzbetreiber, die verstehen möchten, wie sich Energy Sharing auf Netzbelastung, Steuerung und Flexibilitätsnutzung auswirken kann
  • Politik, Regulierung und Verbände, die das Zusammenspiel neuer Instrumente bewerten und konsistente Anreizstrukturen gestalten wollen
  • Forschung und strategische Planung, insbesondere im Kontext der Weiterentwicklung von Flexibilitätsmärkten und Redispatch‑Konzepten

Ausblick

Die Bedeutung von Energy Sharing wird in den kommenden Jahren maßgeblich davon abhängen, wie konsistent es in das bestehende und sich weiterentwickelnde Regulierungsumfeld integriert wird. Mit dem Wegfall klassischer Fördermechanismen, der zunehmenden Relevanz von Flexibilität und der Einführung dynamischer Preissignale wächst der Bedarf an Lösungen, die Investitionen, Teilhabe und Systemdienlichkeit miteinander verbinden.

Energy Sharing kann hierbei eine wichtige Rolle spielen – sofern es nicht isoliert betrachtet wird, sondern als Teil eines Gesamtsystems aus Direktvermarktung, Energiemanagement, Flexibilitätsbereitstellung und netzorientierter Steuerung. Insbesondere Energy‑Sharing‑Communities eröffnen Perspektiven für eine koordinierte Nutzung von Erzeugung, Verbrauch und Speichern auf lokaler Ebene und könnten sich langfristig zu relevanten Akteuren im Flexibilitätskontext entwickeln.

Gleichzeitig zeigt das Whitepaper, dass dafür weitere regulatorische Klärungen und praxistaugliche Standards notwendig sind – etwa beim Zusammenspiel von Preissignalen, bei der Abgrenzung von Verantwortlichkeiten und bei der bilanz- und netzseitigen Integration. Ob Energy Sharing sein Potenzial entfalten kann, wird daher nicht zuletzt davon abhängen, wie die kommenden Reformen im EEG‑, EnWG‑ und Netzentgeltkontext ausgestaltet werden.

Wir freuen uns über den Austausch mit Akteuren, die an der Umsetzung von Energy Sharing und damit verbundenen Lösungen arbeiten, kommen Sie gerne auf uns zu!

Literatur

[1] Deutscher Bundestag, Drucksache 21/2793 Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Energie (9. Ausschuss) zu dem Gesetzentwurf der Bundesregierung – vom 12. November 2025, https://dserver.bundestag.de/btd/21/027/2102793.pdf, 2025.

[2] FfE, SkIES – Skalierbare Integration von EnergySharing, https://www.ffe.de/projekte/skies-skalierbare-integration-von-energy-sharing/, 2025.


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