19.06.2026

Zusätzliche Kosten von grünem Wasserstoff durch die RFNBO Strombezugskriterien

Diskussionspaper aus dem Kooperationsforum Elektrolyse

Die Strombezugskriterien für RFNBO spielen eine zentrale Rolle für die Rahmenbedingungen der grünen Wasserstofferzeugung in Europa. Diese Kriterien werden derzeit im Rahmen eines beschleunigten Review-Verfahrens von der Europäischen Kommission überprüft.

Die Erzeugung von grünem Wasserstoff in der Europäischen Union wird durch die in der Delegierten Verordnung (EU) 2023/1184 festgelegten RFNBO-Strombezugskriterien definiert. Diese legen fest, unter welchen Bedingungen der für die Elektrolyse eingesetzte Strom als vollständig erneuerbar eingestuft werden kann. Zentrale Ausgestaltungselemente sind dabei Zusätzlichkeit, zeitliche und geografische Korrelation.

Während sich die Ausgestaltung der Kriterien vor allem an der Sicherstellung der klimapolitischen Ziele und der Systemkonsistenz orientierte, beeinflussen diese Kriterien auch direkt die Kostenstruktur, die betriebliche Flexibilität sowie die Beschaffungsoptionen von Wasserstoffprojekten. Vor dem Hintergrund zunehmender Bedenken hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit und Kosten von Wasserstoffprojekten hat die Europäische Kommission die Überprüfung des regulatorischen Rahmens auf das Jahr 2026 vorgezogen.

Die in diesem Papier vorgestellte Analyse kombiniert modellbasierte Auswertungen, praktische Perspektiven von Branchenakteuren aus dem Kooperationsforum Elektrolyse sowie ausgewählte Stakeholderpositionen, um die Kostenwirkungen des aktuellen regulatorischen Rahmens zu bewerten. Die folgenden Kernaussagen fassen die zentralen Ergebnisse zusammen:

  • Die derzeitigen RFNBO-Strombezugskriterien führen zu signifikanten Mehrkosten bei der Erzeugung von grünem Wasserstoff.
    Sowohl modellbasierte Analysen als auch praktische Erfahrungen zeigen, dass die Anforderungen an den Strombezug die Produktionskosten signifikant erhöhen und damit einen maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit von Projekten haben.
  • Zusätzlichkeit und zeitliche Korrelation wirken über unterschiedliche Mechanismen und in unterschiedlicher Größenordnung auf die Kosten.
    Während die zeitliche Korrelation vor allem die operative Flexibilität einschränkt und die Auslastung von Elektrolyseuren reduziert, verändert die Zusätzlichkeit die grundlegende Kostenbasis der Strombeschaffung. In den meisten Fällen erweist sich die Zusätzlichkeit als der wesentlichere Kostentreiber.
  • Die Kombination dieser Kriterien schränkt tragfähige Geschäftsmodelle ein und verlangsamt den Markthochlauf.
    Die regulatorischen Anforderungen führen zu geringerer Auslastung, höherer Kapitalintensität sowie eingeschränkten Beschaffungsoptionen. Dadurch wird es schwieriger, belastbare Business Cases zu entwickeln, und die Umsetzung von Projekten verzögert sich.
  • Sowohl politische Akteure als auch die Industrie sehen Anpassungsbedarf zur Verbesserung der Projektökonomie und der Marktdynamik.
    Branchenperspektiven und politische Positionen deuten darauf hin, dass gezielte Anpassungen – insbesondere bei Zusätzlichkeit, zeitlicher Korrelation sowie deren Übergangs- und Bestandsschutzregelungen – erforderlich sind, um Kosten zu senken und Investitionen in die Produktion von grünem Wasserstoff zu ermöglichen.

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