Wärmewende im Saarland – Status quo, Potenziale und Handlungsfelder
Die Studie „Wärmewende im Saarland – Status quo, Potenziale und Handlungsfelder“ von FfE und IREES im Auftrag des saarländischen Energieministeriums (MWIDE) gibt einen umfassenden Überblick über den Ist-Zustand des saarländischen Gebäudebestands und dessen Wärmebedarf sowie die Möglichkeiten und Grenzen von treibhausgasneutralen Technologien zur Wärmeversorgung im Saarland. Mithilfe von Geodaten-Analysen ermittelte, kleinräumige Ergebnisse werden den Kommunen im Saarland als Orientierungshilfe und Unterstützung für die Kommunale Wärmeplanung (KWP) bereitgestellt. Ein PDF der Studie kann weiter unten auf dieser Seite heruntergeladen werden. Ausgewählte Ergebnisse werden im Folgenden beschrieben.
Abbildung 1 gibt einen Überblick über den Status quo des saarländischen Wohngebäudebestands. Die Ergebnisse des Zensus 2022 zeigen, dass viele Wohngebäude im Saarland älteren Baujahrs sind und größtenteils noch mit fossilen Energieträgern beheizt werden [1]. Zudem prägen Ein‑ und Zweifamilienhäuser viele Regionen des Landes. Durch die kleinräumig verfügbaren Zensusdaten lässt sich nachvollziehen, wo ältere Gebäude konzentriert sind, welche Heizsysteme genutzt werden und welche Gebäudetypen vorherrschen.
Ergänzend zur Betrachtung des Gebäudebestands wurde auch die Verteilung der bestehenden Gas- und Wärmenetzinfrastruktur im Saarland analysiert. Die Wärmenetze konzentrieren sich vor allem entlang der Fernwärmeschiene Saar sowie im Stadtgebiet von Saarbrücken und werden durch mehrere kleinere Wärmenetze in weiteren Kommunen ergänzt.
Zur Abschätzung der zukünftigen Wärmebedarfsentwicklung wurden Sanierung und Klimaänderungen des Mit‑Maßnahmen‑Szenario (MMS) der Treibhausgas‑Projektionen 2025 auf den saarländischen Gebäudebestand übertragen [2], ergänzt um die erwartete Entwicklung der beheizten Flächen. Grundlage sind die Wärmebedarfe im Jahr 2022, modelliert mit dem FfE-Einzelgebäudemodell HOUSE und dem IREES-Modell Invert/ee‑lab [3]. Abbildung 2 zeigt das Ergebnis: Der Wärmebedarf sinkt bis 2045 um rund 25 %, wobei der Rückgang in privaten Haushalten stärker ausfällt als im GHD‑Bereich.
Analog zum Ablauf einer KWP ergänzt auch in dieser Studie eine umfassende Potenzialanalyse den Blick auf den Status quo. Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener treibhausgasneutraler Wärmetechnologien im Saarland aufzuzeigen und den Kommunen kleinräumige Ergebnisse als Orientierung für ihre Wärmeplanung bereitzustellen.
Ein Schwerpunkt liegt auf den Wärmenetzpotenzialen, da Wärmenetze insbesondere in verdichteten Bereichen eine zentrale Rolle in der Wärmewende spielen. Für die Analyse wurde das Wärmenetzpotenzialmodell HeatGrid der FfE eingesetzt, das auf Basis von gebäudescharfen Geodaten mit Wärmebedarfen mögliche Netzgebiete identifiziert. In zwei Szenarien mit unterschiedlicher Anschlusswahrscheinlichkeit wurden potenzielle Wärmenetzgebiete modelliert. Die Ergebnisse in Abbildung 3 zeigen je nach Szenario deutlich unterschiedliche Potenziale. Sie dienen als erste Orientierung, wo Wärmenetze grundsätzlich wirtschaftlich sein könnten, ersetzen aber keine detaillierten lokalen Prüfungen, da Faktoren wie Eigentümerstruktur, lokale Wärmequellen, Untergrundbedingungen oder individuelle Anforderungen der Gebäude eine entscheidende Rolle für die Realisierung von Wärmenetzen spielen.
Neben den Wärmenetzpotenzialen wurden Potenziale zur Wärmeerzeugung für die folgenden Technologien untersucht: dezentrale Luftwärmepumpen, gewerbliche Abwärme (siehe Abbildung 4), Flusswasserwärmepumpen, biogene Brennstoffe, oberflächennahe und tiefe Geothermie, Solarthermie, Abwasserwärme und Wasserstoff. Die Ergebnisse liegen auf Gemeinde-, Gemarkungs- und zum Teil Hektarebene vor. Potenziale zur zentralen Wärmeerzeugung in Wärmenetzen wurden anschließend in Beziehung zu den ermittelten Wärmenetzpotenzialen gesetzt, um beurteilen zu können, welchen Bedarf erneuerbare Wärmequellen über Wärmenetze decken könnten.
Für eine strategische Einordnung der Wärmeversorgungsoptionen wurde das Saarland anhand zentraler Kriterien wie Wärmenetzpotenzial, lokalen erneuerbaren Wärmequellen und bestehender Infrastruktur in mehrere Cluster eingeteilt. Die räumliche Clusterkarte (siehe Abbildung 5) zeigt, welche Gebiete ähnliche Ausgangsbedingungen haben und damit vergleichbare Lösungsräume für die Wärmewende bieten. Diese Cluster dienen als Grundlage, um für jede Gebietskategorie spezifische Handlungsfelder und Maßnahmen abzuleiten, die Kommunen bei der Entwicklung ihrer Wärmestrategien unterstützen.
Weitere Informationen:
Literatur:
[1] Ergebnisse des Zensus 2022 – Gebäude- und Wohnungszählung: https://www.zensus2022.de/static/Zensus_Veroeffentlichung/Regionaltabelle_Gebaeude_Wohnungen.xlsx; Wiesbaden: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2024.
[2] Treibhausgas-Projektionen 2025 für Deutschland (Projektionsbericht 2025). Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt, 2025. DOI: 10.60810/openumwelt-7906.
[3] Steinbach, Jan: Modellbasierte Untersuchung von Politikinstrumenten zur Förderung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz im Gebäudebereich. Dissertation. Herausgegeben durch Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI: Karlsruhe, 2015.