16.07.2026

Unternehmensübergreifende Energieflexibilitätspotenziale und Energieflexibilitätsperspektiven in der deutschen Industrie

Die deutsche Industrie steht im Zuge der Energiewende vor der Herausforderung, ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend volatilen Energiesystem zu sichern. Der wachsende Anteil erneuerbarer Energien führt zu stärkeren Schwankungen an den Strommärkten und erschwert die Planbarkeit von Energiekosten.

Industrielle Energieflexibilität kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten: Unternehmen passen ihren Stromverbrauch gezielt an die aktuelle Situation im Energiesystem an und unterstützen sowohl die Netzstabilität als auch die Integration erneuerbarer Energien. Technische Lösungen hierfür sind vielfach bereits verfügbar. Dennoch wird ihr Potenzial bislang nur teilweise ausgeschöpft – insbesondere aufgrund regulatorischer Hürden und fehlender wirtschaftlicher Anreize.

Vor diesem Hintergrund untersuchte das Kopernikus-Projekt SynErgie auf Basis jährlich wiederkehrender Unternehmensbefragungen, welche Flexibilitätspotenziale heute bereits genutzt werden und welche Perspektiven künftig bestehen.

 

Abbildung 1: Flexibilisierbare Leistung des Energieflexibilitätspotenzials und der -perspektive nach Abrufdauer in der deutschen Industrie

Die Ergebnisse zeigen schon heute Flexibilitätspotenziale im Gigawattmaßstab. Bei einer Abrufdauer von fünf Minuten können Industrieunternehmen ihre Last um bis zu 4,6 Gigawatt reduzieren oder um bis zu 4,0 Gigawatt erhöhen. Die jährlich flexibilisierbare Energiemenge beträgt dabei bis zu 4,8 Terawattstunden auf der Reduktionsseite sowie 3,3 Terawattstunden auf der Erhöhungsseite.

In der Praxis entstehen diese Potenziale beispielsweise durch die zeitliche Verschiebung energieintensiver Prozesse, die flexible Steuerung von Prozesswärme- und Dampfsystemen oder den Einsatz von Kälte- und Wärmespeichern. Energieflexibilität bedeutet dabei nicht Produktionsstillstand, sondern eine intelligente und systemdienliche Anpassung industrieller Prozesse.

Darüber hinaus identifiziert die Erhebung Perspektiven, die künftig durch Investitionen und technische Weiterentwicklungen erschlossen werden können. Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte bivalente Technologien, die den Wechsel zwischen verschiedenen Energieträgern ermöglichen und zusätzliche Flexibilität über längere Zeiträume bereitstellen. Unter Einbeziehung dieser Perspektiven steigt die flexibilisierbare Leistung auf bis zu 14,2 Gigawatt Lastreduktion beziehungsweise 13,8 Gigawatt Lasterhöhung.