Sägezahnmuster am Day-Ahead-Markt: Auswirkungen der Umstellung auf 15‑Minuten‑Produkte
Zum 01.10. 2025 wurden die europäischen Day-Ahead (DA)-Märkte auf 15‑Minuten-Handelsprodukte umgestellt. Die Reform gilt gleichzeitig für alle Nominated Electricity Market Operators (NEMOs) in allen beteiligten Mitgliedstaaten. Ziel der Reform ist eine bessere Integration erneuerbarer Energien sowie eine höhere Markteffizienz. [1]
Bisher war an den Intraday (ID)-Märkten, insbesondere in den Auktionen, durch die unterschiedliche Produktgranularität gegenüber dem DA-Markt das sogenannte „Sägezahnmuster“ zu erkennen. Dieses Muster entstand durch die Abweichung zwischen stündlichen DA-Produkten und viertelstündlichen ID-Produkten: Innerhalb jeder Stunde wechselten sich systematisch Über- und Unterschätzungen der Last ab, was zu Preissprüngen zwischen den Viertelstunden führte. Eine ausführliche Erklärung findet sich in Kapitel 3 unserer Veröffentlichung bei der IEWT.
Vor der Umstellung war die Erwartung vieler Akteure, dass sich nach der Einführung von Viertelstundenprodukten im DA-Markt ein kontinuierlicher Preis einstellen und dass diese zugleich zu einer Glättung der ID-Preise führen würde. Tatsächlich zeigen die Daten jedoch, dass das charakteristische Sägezahnmuster nach der Umstellung weiterhin am ID-Markt erkennbar ist und nun auch am DA-Markt auftritt. Für das Fortbestehen des Sägezahnmusters, sowie dessen Übertragung auch auf den DA-Preis, wurden folgende Gründe diskutiert:
- Als ein möglicher Grund wurde diskutiert, dass wegen der Beschaffung auf vorgelagerten Terminmärkten mit Blockprodukten weiterhin eine innerstündliche Nachbeschaffung notwendig wird.
- Das genannte Argument, das Cross-Border-Trading erfolge weiterhin stündlich, trifft nicht zu. Die Umstellung auf Viertelstundenprodukte erfolgte hier bereits [1].
- Häufig angeführt wurde zudem die Begründung, dass es vielen Marktakteuren bislang nicht gelingt, ihre Prozesse umzustellen: Sie bieten weiterhin überwiegend stündlich an und orientieren sich an einer stündlichen Einsatzplanung ihrer Kraftwerke.
Wir analysieren im nachfolgenden Artikel die Abweichung des DA- und der ID-Preise von einem linearen, interpolierten Verlauf des DA-Preises, sowie die innerstündliche Standardabweichung der Märkte. Es zeigt sich, dass Preisabweichungen im DA-Markt seit der Umstellung deutlich zurückgegangen ist und das Sägezahnmuster im DA- Markt spürbar abgeschwächt wurde. Gleichzeitig wird sichtbar, dass ein Teil der zuvor notwendigen kurzfristigen Ausgleichsprozesse vom ID-Markt zunehmend bereits im DA-Handel abgefangen wird.
Das Ausmaß des Sägezahnmusters ist seit der Umstellung zurückgegangen
Abbildung 1 zeigt vergleichend den Verlauf der DA- und ID-Preise Anfang Oktober und Anfang Dezember. Das Sägezahnmuster verläuft dabei in den dargestellten Märkten sehr ähnlich und die Ausprägung ist im Dezember aber deutlich geringer sichtbar als noch im Oktober.
Dies zeigt sich auch in Abbildung 2, welche im Jahresvergleich 2023 bis 2025 die absolute Abweichung des IDA1- sowie des DA-Preises von einer viertelstündlichen Interpolation der stündlichen DA-Preise, beziehungsweise ab der Umstellung von einem interpolierten, linearen Verlauf der DA-Preise darstellt. Die Abweichung ist seit dem 01. Oktober 2025 deutlich zurückgegangen, was darauf hindeutet, dass zumindest ein Teil des zuvor ausgeprägten Sägezahnmusters auf Umstellungsprozesse bei den Marktakteuren zurückzuführen war, etwa durch die Anpassung ihrer Bietstrategien und Einsatzplanungen der Kraftwerke. Die Preisabweichungen des DA-Preises und des Preises des IDA1 Preises 2025 verlaufen dabei sehr ähnlich und liegen, mit Ausnahme der ersten Oktoberhälfte direkt nach der Einführung, deutlich unter den Preisabweichungen des IDA1 2023 und 2024.
Es verlagert sich Handel von der ersten Intraday Auktion in den Day-Ahead Markt
Abbildung 3 verdeutlicht, dass die Preisabweichungen von einem linearen Verlauf und damit die Ausprägung des Sägezahnmusters in allen Märkten weitgehend parallel verlaufen und sich in allen Märkten seit Oktober deutlich reduziert haben. Die Abweichungen des DA-Preises vom linear interpolierten Verlauf fallen dabei geringer aus als jene der ID-Auktionen. Dies ist jedoch insbesondere darin begründet, dass die ID-Auktionen zusätzlich durch Prognosefehler und kurzfristige Marktänderungen beeinflusst werden und daher auch im Mittel vom durchschnittlichen DA-Preis abweichen, unabhängig vom „Sägezahnmuster“. Diese zusätzlichen Einflussfaktoren nehmen mit zunehmendem zeitlichem Abstand des Auktionsschlusses zum DA-Markt zu, weshalb der IDA3 die stärksten Abweichungen aufzeigt, was aber nicht zwangsläufig in einem stärker ausgeprägten Sägezahnmuster begründet ist, wie auch exemplarisch in Abbildung 1 im Vergleich zwischen DA- und IDA1-Preisen erkennbar.
Um einen Vergleich der innerstündlichen Preisschwankungen zwischen den Märkten zu ermöglichen, ist in Abbildung 4 die innerstündliche Standardabweichung der Märkte dargestellt. Auch hier sieht man einen deutlichen Rückgang der innerstündlichen Volatilität im DA-Handel und in den ID-Auktionen zum Jahresende hin. Der DA-Markt weist dabei seit der Einführung von Viertelstundenprodukten zu einem Großteil der Tage die höchste innerstündliche Volatilität auf. Dies deutet darauf hin, dass ein Teil der weiterhin stattfindenden innerstündlichen Ausgleichsprozesse zunehmend bereits im DA-Markt abgefangen werden, sei es zum Ausgleich gegenüber dem Terminmarkt oder durch Akteure, die ihre Gebotsstrategien nicht kurzfristig genug umstellen.
Parallel dazu zeigt sich eine deutliche Verschiebung der gehandelten Mengen: Das Handelsvolumen im DA-Markt erreichte im Oktober 2025 mit 26,7 TWh den höchsten Wert des Jahres und blieb im November und Dezember mit 24,4 TWh und 26,1 TWh nur leicht darunter. Im Gegensatz dazu sank das Marktvolumen der IDA1 im Oktober auf 0,56 TWh und im November und Dezember weiter auf 0,42 GWh in beiden Monaten – Werte, die seit 2020 nicht mehr so niedrig ausfielen (damals mit noch nur einer ID-Auktion). Die Volumina der nachfolgenden Auktionsstufen IDA2 und IDA3 verblieben hingegen in den Größenordnungen seit ihrer Einführung im Juni 2024. Die Volumenentwicklung der ID-Auktionen 2024 und 2025 ist dargestellt in Abbildung 5.
Das Sägezahnmuster ist europäisch sichtbar
Abbildung 5 zeigt die Abweichung der DA-Preise von einem interpolierten, linearen Verlauf (oben), sowie die innerstündliche Standardabweichung (unten) für verschiedene europäische Länder. Es zeigt sich in allen Ländern eine deutliche Abweichung der Preise von einem linearen, interpolierten Verlauf. Die Ausprägung unterscheidet sich dabei über die Länder, ist jedoch in allen Ländern seit der Einführung abnehmend. Dies deutet darauf hin, dass das Sägezahnmuster auf allen europäischen Märkten sichtbar, jedoch rückläufig ist.
Weiterführende Informationen
- Marktdesignänderungen der EPEX SPOT: Einfluss auf die Erlöspotenziale von Batteriespeichern
- Die FfE Strompreisprognose
- Deutsche Strompreise an der Börse EPEX Spot im Jahr 2024
Literatur
[1] EEX – EPEX Spot (2025): 15-Minute products in market coupling, https://www.epexspot.com/en/15-minute-products-market-coupling (zuletzt aufgerufen am 12.01.2026)