01.09.2022

LNG-Terminals im Kontext rückläufiger Gasverbräuche

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und reduzierter Erdgaslieferungen aus Russland, wurden in Deutschland zuletzt mehrere Standorte für den Neubau von Flüssigerdgasterminals festgelegt. Über diese soll flüssiges Erdgas (LNG) ab dem Jahreswechsel 2022/23 nach Deutschland importiert werden, um ausbleibendes russisches Erdgas zu ersetzen. Dem entgegen steht ein zukünftig sinkender Bedarf an fossilem Erdgas in den nächsten Jahren aufgrund der bis 2045 angestrebten deutschen Klimaneutralität. Vor diesem Hintergrund gehen wir in der Septemberausgabe der et – Energiewirtschaftliche Tagesfragen der Frage nach, ob die geplanten LNG-Terminals Deutschland unabhängig von russischem Gas machen können und wie lang die geplanten Kapazitäten zur Deckung des Bedarfs an Erdgas benötigt werden. Außerdem diskutieren wir die Umrüstbarkeit der LNG-Terminals auf grüne Gase wie Wasserstoff oder Ammoniak, um die Gefahr von Lock-In-Effekten in fossile Energieträger zu beurteilen.

Geplante LNG-Terminals

Ab Ende 2022 sollen zunächst mehrere schwimmende LNG-Terminals (FSRU von engl. Floating Storage and Regasification Unit) an den Standorten Brunsbüttel, Wilhelmshaven, Stade und Lubmin installiert werden (siehe Abbildung 1).  Diese sollen in weiterer Folge – mit der Ausnahme Lubmin – ab 2025 durch fest an Land installierte LNG-Terminals ersetzt werden.

Geplante deutsche LNG-Terminals
Abbildung 1: Geplante deutsche und existierende europäische LNG-Terminals im Nord- und Ostseeraum [1–7]

Potenzielle fossile Nutzungsdauer

Um zu klären, ob die geplanten LNG-Terminals einen kompletten Ausfall russischer Gaslieferungen kompensieren könnten und wie lang diese Terminals voraussichtlich für den Import fossiler Gase genutzt werden, vergleichen wir die nicht russischen Importkapazitäten und die Kapazitäten der LNG-Terminals mit dem historischen und zukünftig zu erwartenden Gasbedarf in Deutschland (siehe Abbildung 2).

Gasbedarf Gasimportkapazitäten Entwicklung
Abbildung 2: Entwicklung des Gasbedarfs und der möglichen nicht russischen Gasimportkapazitäten bis 2040 [8–14]

Bei einem Rückgang des Gasbedarfs auf ungefähr 800 TWh/a wären die geplanten Kapazitäten ab Ende 2023 ausreichend einen Totalausfall russischer Erdgaslieferungen zu kompensieren. Anschließend würden sich im Zeitraum bis 2030 relevante Überkapazitäten ergeben. Gemäß dieser Auswertung müsste bis mindestens 2035 bis 2039 LNG über mindestens eines der LNG-Terminals angelandet werden.

Umrüstbarkeit der LNG-Terminals auf grüne Energieträger

Der Aufwand für die Umrüstung der LNG-Terminals ist stark von der Wahl des zukünftig zu importierenden grünen Energieträgers abhängig. Synthetisches Methan kann dieselbe Infrastruktur wie LNG nutzen, während die Umrüstungskosten für grünen Ammoniak wohl bei 10-20% der ursprünglichen Investitionssumme liegen dürften [1, 15]. Die größten Herausforderungen ergeben sich bei der Umstellung auf Flüssigwasserstoff, bei dem die technische und wirtschaftliche Umrüstbarkeit wohl nicht gesichert ist [1, 16]. Aufgrund anderer Alternativen ist die Nutzung der LNG-Terminals für den Import grüner Energieträger jedoch möglich, wobei die freien Kapazitäten wohl bis 2040 ausreichend wären den Gesamtbedarf an grünem Wasserstoff und Wasserstoffderivaten zu decken [10].

Literatur

[1]         S. Bukold, „LNG-Terminals in Deutschland: Notwendiges Kriseninstrument oder Trojanisches Pferd der fossilen Gaswirtschaft?“, EnergyComment, 2022. [Online]. Verfügbar unter: https://www.greenpeace.de/publikationen/20220725-greenpeace-report-lng-terminals.pdf. Zugriff am: 4. August 2022.

[2]        S. Schmidt, LNG-Terminal in Brunsbüttel – Treffpunkt Kommune. [Online]. Verfügbar unter: https://www.treffpunkt-kommune.de/lng-terminal-in-brunsbuettel/ (Zugriff am: 8. August 2022).

[3]        Rwe, LNG – Schwimmende Terminals | Projektvorhaben von RWE. [Online]. Verfügbar unter: https://www.rwe.com/forschung-und-entwicklung/projektvorhaben/lng-schwimmende-terminals (Zugriff am: 3. August 2022).

[4]        K. Gjiani, „TES Importterminal Wilhelmshaven als „priorisiertes Projekt“ im deutschen Beschleunigungsgesetz aufgenommen“, Tree Energy Solutions, 25. Mai 2022, 2022. [Online]. Verfügbar unter: https://tes-h2.com/de/tes-importterminal-wilhelmshaven-als-priorisiertes-projekt-im-deutschen-beschleunigungsgesetz-aufgenommen/. Zugriff am: 3. August 2022.

[5]        Deutsche ReGas, Unterzeichnung des Term Sheet der FSRU für das Terminal „Deutsche Ostsee“ in Lubmin zwischen Deutsche ReGas und TotalEnergies, 2022.

[6]        Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), Habeck: Standortentscheidung für zwei weitere schwimmende Flüssigerdgasterminals ist gefallen – Zusätzliches fünftes Terminal kommt hinzu, 2022.

[7]        Gesetz zur Beschleunigung des Einsatzes verflüssigten Erdgases (LNG-Beschleunigungsgesetz – LNGG), 2022.

[8]        Bundesnetzagentur – Aktuelle Lage Gasversorgung. [Online]. Verfügbar unter: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Versorgungssicherheit/aktuelle_gasversorgung/start.html (Zugriff am: 2. August 2022).

[9]        Prognos, Öko-Institut und Wuppertal-Institut, „Klimaneutrales Deutschland 2045“, 2021.

[10]       Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), Hg., „dena-Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität“, Berlin, 2021.

[11]       G. Luderer, C. Kost und D. e. a. Sörgel, „Ariadne-Report – Deutschland auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045: Szenarien und Pfade im Modellvergleich“, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), 2021.

[12]       Bdew, Monatlicher Erdgasverbrauch in Deutschland 2022 – Vorjahresvergleich. [Online]. Verfügbar unter: https://www.bdew.de/energie/monatlicher-erdgasverbrauch-deutschland-2022-vorjahresvergleich/ (Zugriff am: 2. August 2022).

[13]       ENTSOG, TYNDP 2018. [Online]. Verfügbar unter: https://www.entsog.eu/tyndp#entsog-ten-year-network-development-plan-2022 (Zugriff am: 2. August 2022).

[14]       bp, „Statistical Review of World Energy 2021“, 2021. [Online]. Verfügbar unter: https://www.bp.com/content/dam/bp/business-sites/en/global/corporate/pdfs/energy-economics/statistical-review/bp-stats-review-2021-full-report.pdf

[15]       DVGW, Gasversorgung in Deutschland. [Online]. Verfügbar unter: https://www.dvgw.de/der-dvgw/aktuelles/presse/pressematerial/gasversorgung-in-deutschland (Zugriff am: 4. August 2022).

[16]       H. Seefeldt, H2-Readiness von LNG-Terminals. [Online]. Verfügbar unter: https://blog.vdi.de/h2-readiness-von-lng-terminals (Zugriff am: 4. August 2022).