Kooperationsforum Großbatteriespeicher: Herausforderungen und Lösungen
Diskussionspapier
Das vorliegende Diskussionspapier ist ein Ergebnis des Kooperationsforums Großbatteriespeicher und richtet sich an Politik und Regulierungsbehörden ebenso wie Netzbetreiber und Vertreter:innen der Speicherbranche. Das Forum wurde im August 2025 von der FfE ins Leben gerufen, als sich die Meldungen über Speicherboom und Netzanschluss-Knappheit überschlugen. In einer Situation mit viel Unsicherheit und teils scharf geführten Debatten wurde ein Raum geschaffen, um eine neutrale Bestandsaufnahme der Herausforderungen zu ermöglichen, die Diskussionen eine Ebene tiefer zu legen und gemeinsam strukturiert an Lösungen zu arbeiten. In Rücksprache mit den involvierten Akteuren wurden die Schwerpunktthemen für das Kooperationsforum abgesteckt. Über 50 Unternehmen aus Netz- und Speicherbranche haben sich am Forum beteiligt und einen Beitrag in vier Handlungsfeldern geleistet. Die Diskussion wurde konstruktiv geführt, da die Unternehmen die Grundauffassung verbindet, dass Großbatteriespeicher ein wertvoller Baustein des zukünftigen Energiesystems sind und eine Netzintegration mit den richtigen Werkzeugen gelingt.
Nicht alle diskutierten Lösungen sind von einem breiten Konsens getragen. Jedoch hat die gemeinsame Arbeit im Forum die Mitglieder für Herausforderungen des Anderen sensibilisiert und es ermöglicht, Lösungsansätze aus Umsetzungsperspektive in allen Facetten zu erörtern. Die FfE steuerte als neutrale, koordinierende Instanz Hintergrundrecherchen und wissenschaftliche Analysen bei, um Verständnis bezüglich der Wirkzusammenhänge und systemischen Effekte zu schaffen. Parallel zu den Arbeiten innerhalb des Forums fand ein stetiger Austausch mit Ministerien, Verbänden und der Regulierungsbehörde statt. Auf den folgenden Seiten sind die drängendsten Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze je Handlungsfeld kurz skizziert. Ein detailliertes Stimmungsbild zu den Lösungsbausteinen findet sich im Hauptteil des Papiers.
Regulatorische Umbrüche und starke Wechselwirkungen
Parallel zur Forumsarbeit durchliefen die regulatorischen Rahmenbedingungen in den zentralen Handlungsfeldern tiefgreifende Veränderungen. Stand Februar 2026 steht ein Netzanschlusspaket aus dem Bundeswirtschafsministerium kurz bevor. Mit FCAs werden zwar Erfahrungen gemacht, ein klares politisches Zielbild für sie fehlt aber noch. Parallel laufen die Festlegungsverfahren der Bundesnetzagentur „AgNes“ und MiSpeL“, bei denen jedoch ebenfalls das konkrete Zielbild für viele Außenstehende noch nicht klar ist. Die Arbeit im Forum hat deutlich gemacht, dass die Akzeptanz der beteiligten Unternehmen erheblich von der Detailausgestaltung der Lösungsbausteine abhängt. Gleichzeitig existieren zwischen den Handlungsfeldern teils starke Wechselwirkungen, weshalb es nahezu unmöglich ist, Detailfestlegungen in einem Bereich zu treffen, solange nicht die Rahmenbedingungen in anderen Bereichen abgeschätzt werden können. Es ist daher umso wichtiger, dass sich Politik und Regulierungsbehörde zu den entscheidenden Fragen eng abstimmen und Praxisperspektiven in ihren Vorschlägen berücksichtigen.
Netzanschlussanfragen
Insbesondere durch viele Netzanschlussanfragen von Großbatteriespeichern, die teils schon in einer sehr frühen Phase der Projektentwicklung gestellt werden, ist die Netzanschlusssituation in Deutschland aktuell stark angespannt. Speicher wurden mittlerweile aus dem Anwendungsbereich der KraftNAV herausgenommen, jedoch ohne spezifische Nachfolgeregelungen zu schaffen. Auch im Verteilnetz, wo Anlagen auch bisher nicht unter die KraftNAV fielen, herrscht Unzufriedenheit über unvollständige Anträge, unpassende, vielerorts analoge Prozesse und verzögerte Rückmeldungen. Wir schlagen daher fünf Bausteine für ein zukunftsfähiges Netzanschlussverfahren vor, die sich in vielen Teilen im kürzlich veröffentlichten Konzept der Übertragungsnetzbetreiber sowie im Referentenentwurf des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zur Verbesserung des Netzanschlussverfahrens wiederfinden. Einheitliche Reifegradkriterien und finanzielle Ernsthaftigkeitsnachweise sollen dazu beitragen, die bestehenden Antragsstapel deutlich zu konsolidieren. Um Anlagen auch nach politischen Vorgaben priorisieren zu können, ist es außerdem notwendig, die Anträge zukünftig gesammelt in einem turnusmäßigen Verfahren zu bewerten. Für eine politische Priorisierung skizzieren wir verschiedene Ausgestaltungsvarianten und machen Vorschläge für eine transparente Kartendarstellung von verfügbaren Anschlusskapazitäten. Die Anwendung der Werkzeuge – und damit der Umsetzungsaufwand – liegt in letzter Instanz bei den Netzbetreibern. Um für alle beteiligten Parteien Rechtssicherheit zu schaffen, müssen die regulatorischen Vorgaben an das Netzanschlussverfahren allerdings belastbar und unmissverständlich sein.
Flexible Netzanschlussvereinbarungen
Aktuell werden Flexible Netzanschlussvereinbarungen (FCAs) eingesetzt, um verschiedenste Herausforderungen bei der Netzintegration von Speichern zu adressieren: Von der Beschleunigung des Netzanschlusses über die Sicherung der Netzstabilität bis hin zur nachhaltigen Reduktion der Netzausbaukosten. Das uneinheitliche Zielbild führt aktuell zu einer sehr heterogenen Ausgestaltung von FCAs, was zur Diskriminierung zwischen Projekten und Standorten führen kann. Die Situation birgt ebenfalls ein Risiko in Bezug auf einen übermäßigen (ineffizienten) Eingriff in den Speicherbetrieb – insbesondere beim heute verschärften Wettbewerb um freie Kapazitäten. Dabei sind FCAs ein wichtiges Instrument zur Netzintegration von Speichern. Wir empfehlen daher eine stärkere Standardisierung der Restriktionen, die in FCAs vereinbart werden können, und schlagen mögliche Eckpunkte für eine sachgerechte Kompensation der Einschränkungen vor. Beides wären ebenfalls Grundlagen, um FCAs als vollwertiges Instrument im Engpassmanagement einzusetzen. Zudem wäre eine Klarstellung durch die Regulierungsbehörde zum Einsatz von FCAs zur Reduktion des Netzausbaubedarfs im Sinne der zielgerichteten Ausgestaltung wünschenswert.
Speichernetzentgelte
Die Arbeit in diesem Handlungsfeld stützte sich auf das von der Bundesnetzagentur im Mai 2025 veröffentlichte Diskussionspapier zur Rahmenfestlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes). Nicht mehr berücksichtigt werden konnten die im Januar 2026 veröffentlichten Orientierungspunkte zu Speichernetzentgelten. Bei der Einführung von Einspeiseentgelten auf anschlussbezogene Komponenten lässt sich eine Doppelbelastung nur vermeiden, wenn eine Sonderregelung für Speicher geschaffen wird oder Gebiete definiert werden, in denen Speicher jeweils das eine oder das andere zahlen. Für den Kapazitätspreis wurde festgehalten, dass dieser im Vergleich zum heutigen Leistungspreis weder Vor- noch Nachteile für den Speicher hat. Es besteht jedoch in der statischen Ausgestaltung das Risiko der wirtschaftlichen Überforderung, insbesondere wenn Einschränkungen durch FCAs bestehen. Durch Rabatte auf Netzentgelte beim Abschluss eines FCAs ließen sich die finanziellen Auswirkungen schmälern. Allerdings bräuchte es dafür eine gewisse Standardisierung für die Ausgestaltung von FCAs. Für einen dynamischen Arbeitspreis empfiehlt sich eine symmetrische, vorzeichengerechte Erhebung, um Verzerrung zu vermeiden.
Co-Location
Co-Location wird verstärkt als Lösung zur effizienten Nutzung knapper Netzanschlüsse, sowie zur Integration und Refinanzierung von EE-Anlagen diskutiert. Durch diverse Anlagenkonstellationen, Speicherbetriebsweisen, sowie Betreiberverhältnisse ergeben sich jedoch Herausforderungen in der praktischen Umsetzung sowie für eine passende Regulatorik, insbesondere im oft angestrebten Multi-Use-Fall. Im Handlungsfeld wurden fünf Ansätze zur Hebung von Co-Location-Potenzialen erarbeitet. Im Netzanschlussprozess betrifft dies eine Transparenzerhöhung hinsichtlich Potenzialstandorten und Anpassungen zur ausreichenden Abbildung in Antragsformularen sowie Guidance im Hinblick auf diverse Anlagenkonstellationen. Ebenfalls stellen wir verschiedene Zielbilder vor, nach denen eine Priorisierung von Co-Location-Projekten in der Netzanschlussreihenfolge erfolgen kann. Für Co-Location-Speicher ist das „MiSpeL“-Verfahren ein wichtiger Treiber, um Saldierungsmöglichkeiten oder EEG-Fördertatbestände im Multi-Use Fall zu erhalten. Dabei erachten wir eine Erweiterung bzw. konsequente Anwendung der MiSpeL als sinnvoll (z. B. auch in Bezug auf Netzentgeltregelungen für Speicher). Die räumliche Positionierung des Speichers am Netzanschlusspunkt bietet Potenziale zur zeitlichen Verschiebung der EE-Einspeisung anhand der Netzsituation, bedarf aber entsprechender Signale. FCAs sehen wir als Schlüsselelement zielgerichteter Co-Location, auch im Hinblick auf ihre Möglichkeit zur Festlegung von Interaktions- und Priorisierungsregeln zwischen den Anlagen. Für Redispatch ist eine Festlegung auf den Netzanschluss als Bezugspunkt zu empfehlen. Die Ansätze adressieren Gesetzgeber, Bundesnetzagentur und Netzbetreiber und zielen auf eine regulatorisch und verfahrenstechnisch klar geregelte und transparente Grundlage ab.
Folgende Unternehmen haben sich am Kooperationsforum beteiligt und einen Beitrag zur Erarbeitung von Lösungen geleistet: