02.09.2026

Hemmnisse der industriellen Transformation: Handlungsbedarfe identifizieren, Lösungen aufzeigen

Diskussionspapier aus dem Kooperationsforum Elektrifizierung der Industrie

Die Transformation der Industrie wird häufig nicht durch die Verfügbarkeit fehlender Technologien gebremst. Vielmehr verhindern wirtschaftliche Unsicherheiten, regulatorische Unklarheiten, begrenzte Infrastrukturkapazitäten und praktische Umsetzungshemmnisse die Realisierung vieler Dekarbonisierungsmaßnahmen. Im Kooperationsforums „Elektrifizierung der Industrie“ zeigen wir auf, wo die größten Hindernisse liegen und welche Handlungsbedarfe aus Sicht der Industrie bestehen.

Die Transformation der Industrie erfordert neben der technischen Verfügbarkeit von Elektrifizierungs- und Energieträgerwechseltechnologien vor allem wirtschaftlich tragfähige, regulatorisch verlässliche und praxistauglich umsetzbare Lösungsoptionen.
Die Diskussionen im Kooperationsforum Industrie zeigen: Viele Maßnahmen zur CO₂-Verminderung sind grundsätzlich marktreif und bekannt, scheitern jedoch teilweise an fehlenden Business Cases, unsicheren und ungeeigneten Rahmenbedingungen, begrenzten Netzanschlusskapazitäten oder standortspezifischen Restriktionen. Ziel muss es daher sein, Hemmnisse nicht isoliert zu betrachten, sondern technische, wirtschaftliche und organisatorische Anforderungen gemeinsam zu adressieren. So können Unternehmen befähigt werden, belastbare Transformationspfade zu entwickeln und Investitionen in eine zukunftsfähige Industrie umzusetzen.

  • Technische Lücken: Elektrifizierung ist ein wichtiger Baustein für Wettbewerbsfähigkeit und Treibhausgasminderung, reicht jedoch nicht für alle industriellen Anwendungen aus.
    Für viele Anwendungen stehen bereits technisch umsetzbare Lösungen zur Verfügung. Herausforderungen bestehen insbesondere dort, wo hohe Temperaturen, große Durchsätze und hohe Leistungsanforderungen mit hohen Anforderungen an Prozessstabilität und Produktqualität zusammenkommen. Für diese Anwendungen stehen bislang nur begrenzt breit skalierbare elektrische Lösungen zur Verfügung, sodass weiterer Entwicklungs-, Erprobungs- und Anpassungsbedarf besteht.
  • Brennstoffwechsel: Ergänzende Option mit eigenen Unsicherheiten.
    Der Einsatz biogener Brennstoffe, Biomethan oder perspektivisch Wasserstoff kann insbesondere dort eine wichtige Ergänzung sein, wo eine vollständige Elektrifizierung kurz- bis mittelfristig nicht realisierbar oder nicht optimal erscheint. Gleichzeitig bestehen Unsicherheiten hinsichtlich Verfügbarkeit, Energieträgerkosten, Infrastruktur, Nachhaltigkeitsanforderungen und regulatorischer Einordnung. Energieträgerwechsel und hybride Konzepte können Transformationsrisiken reduzieren, Flexibilität erhöhen und zusätzliche Resilienz schaffen, kompensieren jedoch nicht die Notwendigkeit klarer Rahmenbedingungen.
  • Wirtschaftlichkeit: Technische Verfügbarkeit ersetzt keinen Business Case.
    Viele grundsätzlich verfügbare Maßnahmen werden nicht umgesetzt, weil die wirtschaftlichen Voraussetzungen fehlen oder zu unsicher sind. Hohe Strom- und Netzentgelte, hohe Umlagen und unzureichende Entlastungen, volatile Energiepreise, kurze interne Amortisationsanforderungen, schwer bewertbare Flexibilitätserlöse sowie Zusatzinvestitionen für Infrastruktur und Peripherie erschweren Investitionsentscheidungen. Praxistaugliche Förderinstrumente und robuste Bewertungsmethoden können helfen, wirtschaftlich tragfähige Projekte schneller in die Umsetzung zu bringen.
  • Regulatorik & Politik müssen Planungssicherheit und Orientierung schaffen.
    Unklare oder sich wiederholt ändernde politische und regulatorische Rahmenbedingungen verzögern Investitionen. Aktuell relevant sind beispielsweise offene Fragen zu Strompreisen und Stromnetzentgelten, Wasserstoff- und Batteriespeicherregulierung, CO₂-Preissignalen, Biomasseeinsatz sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren. Unternehmen benötigen verlässliche, verständliche und langfristig belastbare Leitplanken, um Transformationsmaßnahmen strategisch planen und intern begründen zu können.
  • Die konkrete Umsetzung ist immer an standortspezifische Bedingungen gekoppelt – oft müssen dazu auch interne Hürden überwunden werden.
    Auch technisch und wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen können an praktischen Bedingungen vor Ort scheitern. Historisch gewachsene Anlagenstrukturen, begrenzte Flächen, bereits geplante Revisionszyklen, fehlende Netzanschlusskapazitäten, personelle Engpässe und Akzeptanzfragen beeinflussen die Realisierbarkeit erheblich. Deshalb braucht es standortspezifische Transformations-pfade, frühzeitige Abstimmung mit Netzbetreibern und lokalen Akteuren sowie interne Entscheidungsgrundlagen, die technische, wirtschaftliche und organisatorische Anforderungen gemeinsam berücksichtigen. Zusätzlich stärkt interner Wissensaufbau sowie die Offenheit für neue Methoden, Bewertungsansätze und Kooperationsformen die Umsetzungsfähigkeit.