15.05.2022

Entwicklung der Energie- und CO2-Preise 2022

Die Preisentwicklungen der Energiemärkte – insbesondere Strom und Gas – stehen aktuell stark in der politischen Diskussion. Die russische Invasion in die Ukraine hat hierbei das bereits zuvor gegenüber den vorherigen Jahren deutlich höhere Preisniveau der Energiemärkte nochmals angehoben. Insbesondere die kurzfristigen Produkte für eine Gas- und Stromlieferung im kommenden Monat sind Anfang März kurzzeitig über 100 % angestiegen. Zur Analyse dieser Preisverläufe wird an dieser Stelle eine wöchentlich aktualisierte Darstellung erscheinen, welche die Entwicklung der Terminmärkte für Strom und Gas, der CO2-Preise, sowie der Ölpreise abbildet. Das Datum der russischen Invasion in die Ukraine ist dabei gesondert gekennzeichnet.

Abbildung 1: Preisentwicklungen an den Terminmärkten für Strom, Gas und CO2, sowie am Ölmarkt [1, 2, 3, 4]

Preisentwicklung

Entwicklung in der Woche vom 09.05. bis 15.05.

Nach dem Preisanstieg der letzten Woche sinken die Preise der betrachteten Terminmarktprodukte wieder leicht ab. Eine Ausnahme bildet der Strompreis für das Kalenderjahr 2023, welcher von 225 €/MWh auf 230 €/MWh ansteigt. Damit entwickeln sich der Preis für den Frontmonat Strom, welcher von 210 €/MWh auf 207 €/MWh sinkt, und der Preis für das Folgejahr weiter auseinander, wobei der Preis für das Jahresprodukt den Preis für den Folgemonat übersteigt. Am Gasmarkt liegt der Preis für das Folgejahr hingegen nach einem Absinken von 102 €/MWh auf 98 €/MWh weiterhin leicht über dem Preis für den Folgemonat Juni, dessen Preis von 94 €/MWh auf 93 €/MWh absinkt. Der CO2-Zertifikatspreis sinkt von 95 €/tCO2 auf 91 €/tCO2 und der Ölpreis sinkt von 113$/bbl auf 109$/bbl.

Gesamtentwicklung seit Januar

Strom- und Gaspreise befinden sich bereits im Januar auf einem stark erhöhten Niveau gegenüber dem Januar des Vorjahres, beispielsweise mit einer Erhöhung von gut 50 €/MWh am 04. Januar 2021 auf 250 €/MWh am 04. Januar 2022 für den Frontmonat Strom [3]. Dieses Preisniveau geht bis zu einer ersten Preisspitze am Tag der Ukraineinvasion leicht zurück. Im Anschluss hieran folgt ein starker Anstieg, insbesondere der Preise für den kurzfristigeren Frontmonat, bei welchem sich die Preise mehr als verdoppeln. Die Preise für das Kalenderjahr 2023 beschreiben dabei grundsätzlich einen ähnlichen Verlauf, jedoch in einer geringeren Ausprägung. Auch der vor der Invasion bereits konstant angestiegene Ölpreis verzeichnet in dem Zeitraum zwischen Ende Februar und der ersten Märzwoche noch einmal einen deutlichen Zuwachs und geht im darauffolgenden Zeitraum in einen sehr volatilen Zustand über. Die Preise für den Frontmonat für Strom und Gas, sowie der Ölpreis erreichen dabei am 07. März ihr Maximum und sinken danach wieder ab. Während der Strompreis wieder auf das Preisniveau des Jahresanfangs zurückgeht, bleiben das Gas- und Ölpreisniveau deutlich höher.

Die CO2-Preise zeigen eine gegenläufige Entwicklung zu Strom- und Gaspreisen. Nach einem leichten Anstieg über den Januar und Februar fallen sie im Anschluss an die Ukraineinvasion und erreichen zum 07. März mit einem Preis von unter 60 €/tCO2 ihr Minimum. Grund für das gegenläufige Fallen des CO2-Preises bei steigenden Energiepreisen ist unter anderem ein vom Markt antizipierter Wirtschaftsabschwung im Zuge der Krise, so dass die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten sinken könnte. Trotz eines leichten Anstiegs im Anschluss bleibt das Preisniveau leicht unter dem Preis des Jahresbeginns.

Dargestellte Produkte

Im Folgenden werden die in der Grafik dargestellten Produkte kurz vorgestellt und beschrieben.

Strom und Gas

Der Verlauf der Strom- und Gaspreise wird für die Produkte Base 2023 und den Frontmonat dargestellt. Base 2023 bezeichnet dabei eine durchgehende Lieferung von Strom bzw. Gas über den gesamten gehandelten Zeitraum, also in diesem Fall für das Jahr 2023. Der Frontmonat bezeichnet den an der Strombörse gehandelten Preis für eine durchgehende Lieferung im Folgemonat. Im Januar wird mit dem „Frontmonat“ also beispielsweise eine durchgehende Lieferung für Februar gehandelt. [2,3]

CO2-Preis

Die Marktentwicklungen des Emissionshandels werden über die EU Emissionsberechtigungen (EU emission allowance, EUA) für das Jahr 2023 abgebildet. Der Preis stellt dabei den Preis für die Berechtigung dar, eine Tonne CO2 in der 4. Handelsperiode des EU ETS zu emittieren. Die 4. Handelsperiode erstreckt sich über die Jahre 2021 bis 2030. Eine für das Jahr 2023 gehandelte Emissionsberechtigung, die nicht genutzt wird, wird nach Ablauf des Fälligkeitsdatums im Dezember 2023 automatisch in das nächstfällige Future (Jahr 2024) übertragen. [1,5]

Ölpreis

Die Ölpreisentwicklung wird abgebildet über den OPEC Korbpreis. Dieser bezeichnet den Mittelwert über die Preise einer Auswahl von Ölsorten der OPEC [4]. Die Preise beziehen sich hierbei auf eine direkte Lieferung und sind dabei in US-Dollar pro Barrel angegeben.

 

Einfluss der Einspeisung durch erneuerbare Energieträger auf den Strompreis 

Die Invasion der Ukraine hat die Diskussion um eine Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energieträger angefacht und ihr zudem eine neue Richtung gegeben. Die bisher vornehmlich ökologischen Gründe für einen Ausbau wurden dabei ergänzt um einerseits das politisch-strategische Argument, Abhängigkeiten von häufig nicht-demokratisch geführten Ländern zu vermeiden. Zudem führte die starke Preissteigerung nicht nur auf den Gas-, sondern auch auf den Strommärkten zu einer neuen Bewertung der Kosten der Stromerzeugung. Die Produktion durch erneuerbare Energieträger mit stabilen Grenzkosten nahe Null hat dabei einen entscheidenden Vorteil gegenüber fossilen Energieträgern, welche teils starken Preisschwankungen ausgesetzt sind, die zudem nur begrenzt vorhergesagt werden können.  

Dieser Zusammenhang zwischen Strompreisen und der Einspeisung erneuerbarer Energieträger wird in Abbildung 2 dargestellt. Hierbei werden für Januar und Februar 2022 die Day-Ahead Preise der Wochentage Montag bis Freitag in Zusammenhang gesetzt mit der jeweiligen Einspeisung von Solar- und Winderzeugung (onshore und offshore). Es wurden die Stunden von 10 Uhr bis 13 Uhr abgebildet, welche ein ähnliches Lastniveau aufweisen. Insgesamt beträgt die Standardabweichung des Lastniveaus dabei über alle Stunden 6,2 GW bei einem Mittelwert von 68,8 GW.  

Abbildung 2: Korrelation Day-Ahead Preise und Einspeisung erneuerbarer Energieträger für Januar und Februar 2022, Werktage 10 bis 13 Uhr

Es ist sichtbar, dass bei einer geringen Einspeisung durch erneuerbare Energieträger deutlich höhere Strompreise auftreten, als bei einer hohen EE-Einspeisung. Die erneuerbaren Energieträger verdrängen in diesen Fällen aufgrund ihrer geringen Grenzkosten Kraftwerke mit hohen Grenzkosten aus der Angebotskurve (Merit Order). Dadurch wird auch das preissetzende Gebot und somit der Strompreis tendenziell niedriger (Merit Order Effekt). Dieser Effekt wird zudem aktuell noch begünstigt durch die hohen Gaspreise, welche zu sehr hohen Strompreisen in den Stunden führen, in denen der Strompreis durch die Gebote der Gaskraftwerke bestimmt wird.

Literatur

[1] European Energy Exchange (EEX), „EU ETS Spot, Futures & Options,“ 07.04.2022. [Online]. Available: https://www.eex.com/de/maerkte/umweltprodukte/eu-ets-spot-futures-options.
[2] European Energy Exchange (EEX), „Gas: Futures market data,“ 07.04.2022. [Online]. Available: https://www.powernext.com/futures-market-data.
[3] European Energy Exchange (EEX), „Power Futures,“ 07.04.2022. [Online]. Available: https://www.eex.com/de/marktdaten/strom/futures.
[4] Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC), „OPEC Basket Price,“ 07.04.2022. [Online]. Available: https://www.opec.org/opec_web/en/data_graphs/40.htm.
[5] GEMB Gesellschaft für Emissionsmanagement und Beratung mbH, „Emissionshändler.com – Die Handelsperioden,“ 2022. [Online]. Available: https://www.emissionshaendler.com/de/eu-emissionswissen/eua-im-kreislauf/die-handelsperioden. [Zugriff am 07.04.2022].