21.11.2022

Entwicklung der Energie- und CO2-Preise 2022

Die Preisentwicklungen der Energiemärkte – insbesondere Strom und Gas – stehen aktuell stark in der politischen Diskussion. Die russische Invasion in die Ukraine hat hierbei das bereits zuvor gegenüber den vorherigen Jahren deutlich höhere Preisniveau der Energiemärkte nochmals angehoben. Insbesondere die kurzfristigen Produkte für eine Gas- und Stromlieferung im kommenden Monat sind Anfang März kurzzeitig über 100 % angestiegen. Zur Analyse dieser Preisverläufe wird an dieser Stelle eine wöchentlich aktualisierte Darstellung erscheinen, welche die Entwicklung der Terminmärkte für Strom und Gas, der CO2-Preise, sowie der Ölpreise abbildet. Das Datum der russischen Invasion in die Ukraine ist dabei gesondert gekennzeichnet.

Abbildung 1: Preisentwicklungen an den Terminmärkten für Strom, Gas und CO2, sowie am Ölmarkt [1, 2, 3, 4]

Preisentwicklung

Strom- und Gaspreise befinden sich bereits im Januar auf einem stark erhöhten Niveau gegenüber dem Januar des Vorjahres, beispielsweise mit einer Erhöhung von gut 50 €/MWh am 04. Januar 2021 auf 250 €/MWh am 04. Januar 2022 für den Folgemonat Strom 1. Dieses Preisniveau geht bis zu einer ersten Preisspitze am Tag der Ukraineinvasion leicht zurück. Im Anschluss hieran folgt ein starker Anstieg, insbesondere der Preise für den kurzfristigeren Folgemonat, bei welchem sich diese mehr als verdoppeln. Die Preise für das Kalenderjahr 2023 beschreiben dabei grundsätzlich einen ähnlichen Verlauf, jedoch in einer geringeren Ausprägung. Die Terminmarktpreise für den Folgemonat Strom und Gas erreichen am 07. März ihr Maximum. Anschließend sinken sie in den Sommermonaten zunächst wieder ab und bewegen sich zwischen April und Juni (also für eine Lieferung Mai, Juni oder Juli) in etwa um das Niveau des Jahresanfangs, während die Preise für das Kalenderjahr 2023 weiter steigen. Der Strompreis für das Folgemonat liegt dadurch zwischen Mai und Juni wieder unterhalb des Preises für das Folgejahr. Nach den deutlichen Verringerungen der Gaslieferungen von Russland in der zweiten Junihälfte steigen die Gaspreise und somit auch die Strompreise wieder deutlich an und bewegen sich im Bereich der Preisspitzen Anfang März direkt nach der Ukraineinvasion. Die Preise für den Folgemonat übersteigen dabei trotz des Sommers sowohl für Gas, wie auch für Strom wieder den Preis für das Folgejahr 2023.

Auch der vor der Invasion bereits konstant angestiegene Ölpreis verzeichnet in dem Zeitraum zwischen Ende Februar und der ersten Märzwoche einen deutlichen Zuwachs. Ähnlich zu dem Gaspreis für den Folgemonat erreicht der Ölpreis kurz nach der Ukraineinvasion zum 7. März zunächst eine Preisspitze. Im Anschluss geht der Ölpreis jedoch nicht auf das Niveau des Jahresanfangs zurück, sondern bewegt sich weiter im Bereich der Preisspitze zwischen etwa 100 $/bbl und 120 $/bbl.

Die CO2-Preise zeigen eine gegenläufige Entwicklung zu Strom- und Gaspreisen. Nach einem leichten Anstieg über den Januar und Februar fallen sie im Anschluss an die Ukraineinvasion und erreichen zum 07. März mit einem Preis von unter 60 €/tCO2 ihr Minimum. Grund für das gegenläufige Fallen des CO2-Preises bei steigenden Energiepreisen ist unter anderem ein vom Markt antizipierter Wirtschaftsabschwung im Zuge der Krise, so dass die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten sinken könnte. Insgesamt bewegt sich das Preisniveau im Anschluss etwa um den Preis des Jahresbeginns.

Dargestellte Produkte

Im Folgenden werden die in der Grafik dargestellten Produkte kurz vorgestellt und beschrieben.

Strom und Gas

Der Verlauf der Strom- und Gaspreise wird für die Produkte Base 2023 und den Folgemonat dargestellt. Base 2023 bezeichnet dabei eine durchgehende Lieferung von Strom bzw. Gas über den gesamten gehandelten Zeitraum, also in diesem Fall für das Jahr 2023. Der Folgemonat bezeichnet dabei den an der Strombörse gehandelten Preis für eine durchgehende Lieferung im nächsten Monat. Im Januar wird mit dem „Folgemonat“ also beispielsweise eine durchgehende Lieferung für Februar gehandelt 2 3.

CO2-Preis

Die Marktentwicklungen des Emissionshandels werden über die EU Emissionsberechtigungen (EU emission allowance, EUA) für das Jahr 2023 abgebildet. Der Preis stellt dabei den Preis für die Berechtigung dar, eine Tonne CO2 in der 4. Handelsperiode des EU ETS zu emittieren. Die 4. Handelsperiode erstreckt sich über die Jahre 2021 bis 2030. Eine für das Jahr 2023 gehandelte Emissionsberechtigung, die nicht genutzt wird, wird nach Ablauf des Fälligkeitsdatums im Dezember 2023 automatisch in das nächstfällige Future (Jahr 2024) übertragen 4.

Ölpreis

Die Ölpreisentwicklung wird abgebildet über den OPEC Korbpreis. Dieser bezeichnet den Mittelwert über der Preise einer Auswahl von Ölsorten der OPEC 5  . Die Preise beziehen sich hierbei auf eine direkte Lieferung und sind dabei in US-Dollar pro Barrel angegeben.

Einfluss der Einspeisung durch erneuerbare Energieträger auf den Strompreis

Die Invasion der Ukraine hat die Diskussion um eine Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energieträger angefacht und zudem eine neue Richtung gegeben. Die bisher vornehmlich ökologischen Gründe für einen Ausbau wurden dabei ergänzt um einerseits das politisch-strategische Argument, Abhängigkeiten von häufig nicht-demokratisch geführten Ländern zu vermeiden. Zudem führte die starke Preissteigerung nicht nur auf den Gas-, sondern auch auf den Strommärkten zu einer neuen Bewertung der Kosten der Stromerzeugung. Die Produktion durch erneuerbare Energieträger mit stabilen Grenzkosten nahe Null hat dabei einen entscheidenden Vorteil gegenüber fossilen Energieträgern, welche teils starken Preisschwankungen ausgesetzt sind, die zudem nur begrenzt vorhergesagt werden können.

Dieser Zusammenhang zwischen Strompreisen und der Einspeisung erneuerbarer Energieträger wird in Abbildung 2 dargestellt. Hierbei werden für das laufende Jahr 2022 die Day-Ahead Preise der Wochentage Montag bis Freitag in Zusammenhang gesetzt mit der jeweiligen Einspeisung von Solar- und Winderzeugung (onshore und offshore). Es wurden die Stunden von 10 Uhr bis 13 Uhr abgebildet, welche ein ähnliches Lastniveau aufweisen. Insgesamt beträgt die Standardabweichung des Lastniveaus dabei über alle Stunden 6,3 GW bei einem Mittelwert von 67,4 GW.

Abbildung 2: Korrelation Day-Ahead Preise und Einspeisung erneuerbarer Energieträger für 01.01.2022 bis 29.05.2022, Werktage 10 bis 13 Uhr
Abbildung 2: Korrelation Day-Ahead Preise und Einspeisung erneuerbarer Energieträger für 01.01.2022 bis 29.05.2022, Werktage 10 bis 13 Uhr

Es ist sichtbar, dass bei einer geringen Einspeisung durch erneuerbare Energieträger deutlich höhere Strompreise auftreten als bei einer hohen EE-Einspeisung. Die erneuerbaren Energieträger verdrängen in diesen Fällen aufgrund ihrer geringen Grenzkosten Kraftwerke mit hohen Grenzkosten aus der Angebotskurve (Merit Order). Dadurch wird auch das preissetzende Gebot und somit der Strompreis tendenziell niedriger (Merit Order Effekt).