Leitfaden: Vom Altbau zum Niedrigenergiehaus

Zuletzt aktualisiert am 05.02.2017

Abstract

Der Leitfaden wurde im Rahmen des Forschungsverbundvorhabens ISOTEG als ein internetfähiges Beratungsprogramm zur energetischen Altbausanierung entwickelt. Zielgruppe für dieses Programm sind Eigentümer und Nutzer von Wohngebäuden, denen - auch bei nur geringem technischen Verständnis - eine Möglichkeit zur energetischen Bewertung ihres Gebäudes und zur Energieverbrauchsminderung gegeben werden soll. Nach der Fertigstellung des Programms wurde dieses in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium und der E.ON Energie AG erweitert und in seiner Funktionalität verbessert. Beide Projekte sind bereits abgeschlossen, so dass der "Leitfaden: Vom Altbau zum Niedrigenergiehaus" auf der Homepage der FfE zur Verfügung steht.

NEU: Der Leitfaden hat den Namen gewechselt. LENA, das Beratungsprogramm zur energetischen Altbausanierung liegt nun in der Version 3.0 vor.


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Allgemeiner Kontext und Zielsetzung

Mit Hilfe des Leitfadens ist es möglich, einen Energie-Check an einem Gebäude vorzunehmen und evtl. nötige Sanierungsmaßnahmen auf energetische und finanzielle Einsparpotenziale hin zu untersuchen. Somit können die ökologisch und ökonomisch sinnvollsten Sanierungsmaßnahmen ermittelt werden.

Die Bedienung des Programms wurde möglichst einfach gehalten, um eine breite Zielgruppe ansprechen zu können. So wird der Anwender anhand verschiedener Ein- und Ausgabe-Masken durch das Programm geführt und beim Ausfüllen der einzelnen Eingabe-Felder, wie auch bei der Interpretation der berechneten Ergebnisse durch Hilfetexte unterstützt. In der Energieverbrauchsanalyse als erstem Schritt genügt die Eingabe von wenigen, bau- und wärmetechnischen Daten, wie beispielsweise Verbrauchsangaben, Baualter des betrachteten Gebäudes und beheizter Wohnfläche, um zu einer ersten Grobeinschätzung des energetischen Verhaltens des betrachteten Gebäudes zu kommen. Bei Bedarf und nach Möglichkeit ist auch die Eingabe weiterer Gebäudeparameter und somit eine höhere Genauigkeit in der Aussage möglich.

Nachdem sich der Anwender mit dem Programm befasst hat, ist er nicht nur in der Lage, sein Gebäude energetisch einzuschätzen, sondern er kann auch die Wirtschaftlichkeit einzelner Maßnahmen einordnen. Weiter hat er sich einen Überblick über verschiedene Sanierungsmaßnahmen verschafft, die den Energieverbrauch seines Gebäudes senken. Jetzt ist der Hausbesitzer gefordert, sein neu gewonnenes Wissen konstruktiv umzusetzen und seiner Verantwortung für einen nachhaltigen Umgang mit Energieressourcen gerecht zu werden.

Programmablauf

Das Programm teilt sich in drei Abschnitte; nach jedem wird das Ergebnis der durchgeführten Berechnungen dargestellt. Diese Vorgehensweise ist notwendig, da die einzelnen Programmteile aufeinander aufbauen. Ziel ist es den Anwender Schritt für Schritt an die für ihn interessanten Sanierungsmaßnahmen heranzuführen.

  • Teilschritt 1

In einem ersten Schritt werden die wichtigsten Gebäudedaten abgefragt, um den Heizenergieverbrauch des Gebäudes berechnen zu können. Hierzu sind unter anderem die Angabe der beheizten Wohnfläche, des Brennstoffverbrauchs und verschiedene Auskünfte zum Heizungssystem und der Warmwasserbereitung nötig. Auch grundlegende Daten wie das Baujahr, der Gebäudetyp und der Standort des Hauses werden abgefragt. Anhand der drei letzten Angaben wird ein Referenzgebäude aus einer Datenbank ausgewählt, für das die bauphysikalischen Daten bekannt sind. Nun wird der Heizenergieverbrauch des eingegebenen Gebäudes mit dem des Referenzgebäudes aus der Datenbank und einem in Anlehnung an die EnEV sanierten Gebäude verglichen. Diese drei verschiedenen Heizenergieverbräuche werden in einem Diagramm (Abbildung 1) dargestellt.

Abbildung 1: Ergebnisdiagramm1, Darstellung des Heizenergieverbrauchs

Durch ein weiteres Diagramm wird dem Anwender vermittelt, wie hoch die energiebedingten Kohlendioxidemissionen (für die Bereitung von Heizung und Warmwasser) seines Gebäudes sind. Um diesen Wert einzuordnen, wird er in Relation zu anderen Anwendungen gesetzt; so wird beispielsweise gezeigt, welche Strecke bei gleich hohen CO2-Emissionen mit dem Pkw oder dem Flugzeug zurückgelegt werden könnte. Falls Sanierungsbedarf besteht, wird Teilschritt 2 ausgeführt. Ansonsten teilt das Programm dem Anwender mit, dass sein Gebäude einen niedrigen Heizenergieverbrauch hat und daher nicht saniert werden muss.
  • Teilschritt 2

Im Teilschritt 2 werden detaillierte Angaben über das Gebäude, wie z.B. Abmaße und Flächen des Bauwerks bzw. verschiedener Bauteile (Wand-, Fenster- und Dachflächen etc.) abgefragt. In diesem Teil benötigt das Programm die bauteilspezifischen U-Werte. Diese stehen in Datensätzen der Referenzgebäude zur Verfügung und werden automatisch in die entsprechenden Felder eingetragen. Der Anwender hat die Möglichkeit, die Vorgaben durch eigene U-Werte zu ergänzen bzw. zu ersetzen, wenn ihm diese bekannt sind.

Sind alle Werte eingegeben, führt das Programm eine Wärmebedarfsberechnung (in Anlehnung an die EnEV) durch und gleicht diese mit dem vom Anwender angegebenen Heizenergieverbrauch ab; damit sind die bauteilspezifischen Wärmeverluste und auch die Wärmegewinne bekannt (Abbildung 2). Zusätzlich wird eine Abschätzung zur Wirtschaftlichkeit einer Komplettsanierung durchgeführt und ausgegeben.

Abbildung 2: Bauteilspezifische Verluste vor und nach einer Sanierung

Die Kenntnis der Wärmeverluste der einzelner Bauteile des Hauses ist eine Voraussetzung für den Anwender, wenn er die aus energetischer Sicht sinnvollsten Maßnahmen für sein Gebäude auswählen will. Außerdem kann er anhand der Wirtschaftlichkeitsberechnung, die ihm die kumulierte Entwicklung seiner Kosten (Kapitaldienst und laufende Heizkosten) mit und ohne Sanierung darstellt, die Amortisationsdauer der Sanierungskosten ablesen.
  • Teilschritt 3

In einem dritten Schritt werden dem Anwender verschiedene Sanierungsmaßnahmen angeboten, die er auf ihr Einsparpotenzial und ihre Wirtschaftlichkeit hin prüfen lassen kann. Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt in gleicher Weise, wie in Schritt 2, jedoch nur für die jeweils ausgewählte Maßnahme. Folgende Sanierungen können gewählt werden:

  • Wanddämmung
  • Dachdämmung
  • Dämmung der Decke zu nicht ausgebautem Dachraum
  • Austausch der Fenster
  • Dämmung des Kellers
  • Einsatz von Sonnenkollektoren
  • Austausch des Heizsystems
  • Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung.

Bei jeder angebotenen Maßnahme können Parameter, wie z.B. Materialart oder Dämmstoffstärke, variiert werden. Auch hier wird eine Online-Hilfe angeboten, die genaue Informationen zur jeweils gewählten Sanierungsmaßnahme zur Verfügung stellt und dem Anwender dadurch seine Wahl erleichtert. Der Gebäudeeigentümer hat somit die Möglichkeit, verschiedene Sanierungsvarianten für sein Haus durchzuspielen, um so festzustellen, welche für ihn die günstigste Lösung ist.

Fazit

Führt man eine Recherche im Internet durch, so stößt man auf eine Fülle von Informationen zum Thema Gebäudesanierung. Neben einer großen Palette an kommerziellen Angeboten, die von verschiedensten Baustoffen bis zu Planungsleistungen reichen, finden sich auch viele Programme und Tipps für Laien zu diesem Thema; die Detailtiefe ist jedoch meistens gering. Auf der anderen Seite sind wiederum sehr ausführliche Programme vorhanden, die den Laien in ihrer Informationstiefe überfordern. Es fehlen Programme, die ausreichende Informationen zu Sanierungen, deren Kosten und Einsparpotenzialen, in einer für den Laien leicht verständlichen Weise, liefern. Der an der Forschungsstelle für Energiewirtschaft entwickelte Leitfaden schließt diese Lücke.

 

Der Leitfaden steht zum kostenlosen download zur Verfügung. Falls Sie das Programm nicht online ausführen möchten, bieten wir Ihnen den Leitfaden auch auf CD an. Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier:

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