Was soll es kosten, CO₂ in der Atmosphäre zu entsorgen?

Veröffentlicht am 25.02.2020

Die Erzeugung von Wärme oder Strom aus Kohle und anderen fossilen Brennstoffen emittiert CO2. Da die Natur aber keine juristische Entität ist, mit der man Verträge schließen kann oder die Rechnungen stellt, darf dieses CO2 in den meisten Fällen noch kostenlos ausgestoßen werden – egal welchen Schaden die Emissionen verursachen. Die Schäden, die durch Emission einer Tonne CO2-entstehen, werden als sog. „externe Kosten“ definiert und in Form von umweltbedingten Gesundheits- und Materialschäden, Ernteausfällen oder Schäden an Ökosystemen von der Gesellschaft getragen. Sie stellen ein Maß für die Schadwirkung der Emissionen dar und wurden 2016 vom Umweltbundesamt im Jahr 2016 auf 180 €/t quantifiziert.

 

Definitionsmöglichkeiten CO2 Preis

 

Abbildung 1: Definitionsmöglichkeiten CO2-Preis

Demgegenüber stehen die sog. Verminderungskosten. Wenn ein Unternehmen seinen Treibhausgasausstoß reduzieren möchte, kann es zum Beispiel eine neue Technologie einführen: z.B. eine strombetriebene Wärmepumpe statt einer Ölheizung. Erstere stößt im Betrieb weniger CO2 aus als letztere, insbesondere dann, wenn der bezogene Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt wird. Bei der Berechnung der Verminderungskosten werden die Kosten und Emissionen einer Maßnahmentechnologie (hier bspw. einer Wärmepumpe) denen einer Referenztechnologie gegenübergestellt. Steht das Unternehmen vor der Entscheidung, welche neue Heizung eingebaut werden soll, stellen die Verminderungskosten ein Maß für die Kosteneffizienz dieser Verminderungsmaßnahme dar.

Formel

 

Dabei können diese Kosten positiv (Mehrkosten) oder negativ (Einsparungen) ausfallen. Im Projekt Dynamis haben wir 124 Maßnahmen in den Sektoren Verkehr, Haushalte, Industrie, Gewerbe/Handel/Dienstleistung und im Bereitstellungssektor untersucht, mit denen CO2 eingespart werden kann. Die Berechnung von Verminderungskosten hängt jedoch für jede Maßnahme von einer Vielzahl von Parametern ab. So muss zunächst definiert werden welche Referenztechnologie betrachtet wird. Wird die Wärmepumpe also einem Gasbrennwertkessel, einer Ölheizung oder einem Fernwärmeanschluss gegenübergestellt? Zudem hängen die Verminderungskosten zum Teil sehr stark vom gewählten Referenzjahr ab. Gerade im Bereich neuartiger Technologien ist in den nächsten Jahren zum Teil mit starken Kostendegressionen zu rechnen. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass sich auch die Energieträgerpreise im Verlauf der Zeit ändern werden. So ergeben sich pro untersuchter Maßnahme eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten gegenüber ihren Referenztechnologien. Abbildung 2 zeigt in einem Boxplot die im Projekt berechneten Verminderungskosten für eine Auswahl von Verminderungsmaßnahmen.

 

Boxplot zu Verminderungskosten verschiedener CO2 Verminderungsmaßnahmen

Abbildung 2: Boxplot zu Verminderungskosten verschiedener CO2-Verminderungsmaßnahmen

Die Abbildung zeigt deutlich, dass sich die Verminderungskosten selbst innerhalb einzelner Technologien über eine große Bandbreite erstrecken und pauschale Aussagen nur sehr schwer möglich sind. Recht offensichtlich ist jedoch, dass die von der Bundesregierung vorgeschlagenen CO2-Preise in vielen Fällen keinen ausreichenden finanziellen Anreiz setzen werden, um tatsächlich CO2 einzusparen.

Betrachten wir diesen Zusammenhang zwischen Verminderungskosten und politisch definierten CO2-Preisen aber noch einmal genauer, so lassen sich CO2-Verminderungskosten weiterhin aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten: der Nettosicht (Systemsicht) und der Bruttosicht (Akteurssicht). Dabei fragt die Systemsicht, wie hoch die Kosten (z.B. Stromkosten) ohne Berücksichtigung von Umlagen, Abgaben und Steuer aus Sicht des Gesamtsystems sind. Die Akteurssicht schließt solche zusätzlichen Kosten mit ein und stellt damit sozusagen die Sichtweise der individuellen Akteure selbst auf die Maßnahmenumsetzung dar. Dabei kann es dann vorkommen, dass sich z.B. unsere Wärmepumpe aus Systemsicht zwar lohnt, sie aufgrund von Abgaben und Umlagen aus betriebswirtschaftlichen Sicht des Akteurs (z.B. ein Unternehmens- oder Hausbesitzer) aber ökonomisch völlig uninteressant ist. Die Gegenüberstellung dieser beiden Sichtweisen ermöglicht es gezielt regulatorische Maßnahmen wie bspw. Steuer- oder Umlagenbefreiungen abzuleiten die einen zusätzlichen monetären Anreiz für den Akteur zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen schaffen.

Neben den Verminderungskosten spielen bei der Entscheidung eine Maßnahme umzusetzen oft auch die Anfangsinvestition eine Rolle für den Akteur. So kann die Entscheidung einen Kredit aufzunehmen für den privaten Akteur durchaus das „Zünglein an der Waage“ darstellen welches die Installation einer teuren Wärmepumpe verhindern kann obwohl diese möglicherweise bei Betrachtung der Kosten über die gesamte Lebenszeit Vorteile hätte. Günstige KfW-Kredite mit Niedrigzinsen können hier eine Maßnahme darstellen die zusätzliche finanzielle Belastung zu verringern und somit die Umsetzung der Maßnahme weiter zu begünstigen.

Bezüglich der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen muss immer auch die Lebensdauer der Technologie und damit die Transformationsgeschwindigkeit des jeweiligen Endenergiesektors berücksichtigt werden. Diese bestimmt wie lange die neu installierten Technologien im Energiesystem verbleiben und somit wie lange sich deren Emissionen auf die deutsche Klimabilanz und insbesondere auch auf die kumulierten Emissionen Deutschlands auswirken. So werden gerade Heizungstechnologien besonders selten ausgetauscht. Eine heute installierte Gasheizung wird bei einer Lebensdauer von rund 30 Jahren auch noch 2050 in Betrieb sein und einer weitestgehend klimaneutralen Energieversorgung im Wege stehen. Auch dieser Aspekt muss bei der aktiven Gestaltung einer nachhaltigen Klimapolitik berücksichtigt werden und kann ggf. nur durch das Verbot fossiler Energien entsprechend adressiert werden.

Der alleinige Fokus auf einen sektorübergreifenden CO2-Preis reicht also nicht aus, um die klimafreundliche Transformation des Energiesektors anzuregen. Im Projekt Dynamis haben wir aus diesem Grund verschiedene Maßnahmen nach den obengenannten Kriterien Verminderungskosten aus System- und Akteurssicht, Anfangsinvestition und Transformationsgeschwindigkeit bewertet und einander gegenüberstellt. Exemplarisch ist diese Bewertung für die Verminderungsmaßnahme „Wärmepumpe“ in Abbildung 3 visualisert.

 

Multikriterielle Bewertung der Verminderungsmaßnahme Wärmepumpe

Abbildung 3: Multikriterielle Bewertung der Verminderungsmaßnahme "Wärmepumpe"

Ausführliche Informationen zum Projekt Dynamis sowie Hauptbericht, Kurzbericht und Datenanhang finden Sie auf der Projektwebsite unter www.ffe.de/dynamis.

 

 

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