Energienutzungsplan

Zuletzt aktualisiert am 05.02.2017

Steigende Energiepreise sind die Ursache für erhöhte Energiekosten. Ebenso bewirken immer deutlicher zu Tage tretende regionale und weltweite Klimaveränderungen allmählich ein Umdenken in Politik und Bevölkerung. Um künftigen Versorgungsengpässen entgegen zu wirken, rücken Alternative Versorgungskonzepte immer mehr in den Vordergrund. Für eine optimale Anpassung der Energieversorgung auf die Ansprüche und Anforderungen der Einzelnen ist die Erstellung eines detaillierten Energienutzungsplanes erforderlich.

Benefit eines Energienutzungsplans:

  • Abbildung der vorhandenen Infrastruktur zur Energieversorgung
  • Anleitung zur optimalen Bedarfsdeckung bei gleichzeitig bestmöglicher Auslastung der Erzeuger
  • Bestimmung der lokal verfügbaren Potenziale regenerativer Energieträger (Biomasse, Solarthermie, Umweltwärme)
  • Plan zur Umsetzung von Maßnahmen zur Erfüllung der kommunalen Klimaschutzziele
  • Einbeziehung möglichst aller kommunaler Liegenschaften, privater Haushalte und Industrieunternehmen für die Erstellung eines nachhaltigen und zukunftsorientierten Energiekonzepts

Der Energienutzungsplan bezeichnet eine Strategie von der Datenerfassung über die Erarbeitung bis zur Umsetzung verschiedener Maßnahmen mit dem Ziel, eine nachhaltige Energieversorgung zu realisieren. Er besteht aus folgenden drei Bearbeitungsschritten:

  • IST-Zustandsanalyse
  • Erarbeitung von Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und besseren Nutzung vorhandener Ressourcen
  • Erstellen eines Planes zur Umsetzung der Vorschläge.

Die zu untersuchenden Objekte reichen von einzelnen Einfamilienhäusern über Industrieanlagen (Energieberatung) bis hin zu ganzen Quartieren in Gemeinden und Städten. Darüber hinaus können auch Energienutzungspläne für ganze Regionen erstellt werden. Überwiegend wird der Begriff „Energienutzungsplan“ jedoch mit der Erstellung eines Energiekonzeptes für Gemeinden und Städte in Verbindung gebracht (siehe hierzu auch Projekt „Energiebedarfsprognose für die Stadt München“).

Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE e.V.) und ihre Tochtergesellschaft Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE GmbH) haben bereits jahrelange Erfahrungen bei der Erstellung von Energienutzungsplänen bzw. Energiekonzepten. Zahlreiche Projekte können somit als Grundlage für weitere Untersuchungen verwendet werden und ermöglichen eine optimale und zeitsparende Umsetzung der Konzepte.

Die drei Bearbeitungsschritte können nur in oben genannter Reihenfolge bearbeitet werden.

Es bieten sich verschiedene Möglichkeiten für die Erstellung einer aussagekräftigen IST-Zustandsanalyse an. Jedoch führen die Varianten erst in Kombination zu einer Darstellung des aktuellen Energiebedarfs und der vorhandenen Energiebereitstellung. Im Einzelnen sind dies folgende Erhebungsmethoden:

  • Analyse vorhandener Verbrauchsdaten von öffentlichen Liegenschaften, ein Beispiel ist die Energieoptimierung des Klosters St. Ottilien
  • Erhebung von Verbrauchsdaten privater Wohngebäude über Bürgerbefragungen
  • Stichprobenartige Erhebung von Verbräuchen (Wohn- und Nichtwohngebäude) durch eine Vor-Ort-Begehung
  • Analyse vorhandener Daten aus Geo-Informations-Datenbanken: spezifische Verbrauchswerte wurden von der FfE beispielsweise in den Projekten „Entwicklung des Erdgasabsatzes eines Energieversorgers“ ermittelt
  • Erhebung der Verbräuche von ortsansässigen Industrieunternehmen; auf diesem Gebiet wurden von der FfE bereits zahlreiche Projekte durchgeführt
  • Analyse der vorhandenen Energieerzeugung durch Datenübermittlung von Energielieferanten (Wärme- und Strombereitstellung)

Nach Feststellung der Verbrauchsschwerpunkte kann damit begonnen werden, einzelne Maßnahmen zur ökonomisch und ökologisch sinnvollen Versorgung der Objekte zu erarbeiten. Dies kann von der Einzelversorgung über dezentrale Systeme bis hin zur Vernetzung mehrerer Verbraucher reichen. Um eine nachhaltige Versorgung zu gewährleisten, liegt bei der Ermittlung der einzelnen Konzepte das Hauptaugenmerk auf dem Einsatz hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (in Verbindung mit Nahwärmenetzen) und regenerativen Energieträgern (Geothermie, Solarthermie, Photovoltaik, Windenergie, Biomasse). Diese Maßnahmen-Vorschläge zur zukünftigen Energieversorgung bilden die Grundlage für den endgültigen Energienutzungsplan.

Um das erstellte Energiekonzept umsetzen zu können, muss ein genauer zeitlicher Ablaufplan zur Durchführung der vorgeschlagenen Maßnahmen erstellt werden. Im Hinblick auf die langfristigen Auswirkungen der Aspekte des Energienutzungsplans auf die komplette Versorgungsstruktur des betrachteten Objektes ist eine exakte Abstimmung aller Beteiligten von höchster Priorität. Deshalb sind die einwandfreie Kommunikation und Zusammenarbeit von Politik, Industrie und Bevölkerung für eine erfolgreiche Umsetzung unabdingbar.

Nachfolgend sind die wichtigsten Bestandteile aufgelistet, welche eine Ausschreibung für die Erstellung eines Energienutzungsplans unbedingt enthalten sollte.

IST-Zustandsanalyse

  • Analyse und Aufbereitung vorhandener Daten: es sollte bereits in der Ausschreibung vermerkt werden, welche Daten vom Auftraggeber geliefert werden können, z.B. Heizkosten- und Stromabrechnungen von öffentlichen Liegenschaften
  • Erhebung von Verbrauchsdaten durch eine Vor-Ort-Begehung und Zuordnung der einzelnen Siedlungsbereiche auf Baualtersklassen, Siedlungstypen und Gebäudetypen
  • Nach der Vor-Ort-Analyse: Abschätzung des Dämmstandards der Gebäude und der bereits vorhandenen regenerativen Energieerzeugung (Solarthermie, Photovoltaik, Wind, Biomasse)
  • Ausrichten eines Bürgerworkshops: detaillierte In-Kenntnis-Setzung der Öffentlichkeit über die Durchführung eines Energienutzungsplans und Aufforderung der Bürger, die Erweiterung der Datenbasis durch eine Befragung mittels Fragebogen zu unterstützen
  • Zuordnung aller erhobenen Daten auf die einzelnen Siedlungsgebiete

Als Ergebnis der Ist-Zustandsanalyse erhält man eine Übersicht über die Verbrauchsschwerpunkte der Stadt, wie hier am Beispiel München dargestellt.

Waermeverbrauch_5_rahmenlos

Entwicklung der Maßnahmen

  • Ermittlung des vorhandenen Potenzials aus regional verfügbaren regenerativen Energiequellen (Bsp. Analyse der Energieversorgung der SEWAG – heutiger Stand und Effizienzpotenziale)
  • Ökologische Bewertung der Maßnahmen (CO2-Emissionen, die bei der Herstellung und Nutzung entstehen); hierzu wurde an der FfE die Studie „Ganzheitliche Bilanzierung der Energieversorgung“ (GaBiE) erstellt
  • Ökonomische Bewertung der einzelnen Maßnahmen
  • Analyse von Wärme- und Stromlastgängen für einzelne Verbraucher (an der FfE wurden Tools zur Simulation von Verbrauchslastgängen für verschiedene Abnehmer entwickelt)
  • Analyse und Optimierung des Einsatzprofils dezentraler Erzeuger
  • Erarbeitung eines optimal auf die Gemeinde bzw. Stadt abgestimmten Maßnahmenpaketes auf Basis der gewonnen Ergebnisse

Umsetzung des Energienutzungsplans

  • Erstellung eines Zeitplans zur Umsetzung der Maßnahmen
  • Moderation von Treffen der Entscheidungsträger aus Politik, Industrie und Bevölkerung
  • Begleitung während der ersten Phase der Maßnahmendurchführung