Dekarbonisierung beginnt Bottom-Up: das Forschungsprojekt „ZuSkE“ baut auf Expertise im Bereich kommunaler FfE-Projekte auf

Zuletzt aktualisiert am 20.08.2021

Zur Erreichung der Klimaziele ist eine drastische Reduktion der Emissionen notwendig. Dies betrifft zahlreiche Anwendungen in den Endenergiesektoren (Private Haushalte, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD), Industrie und Verkehr), welche noch zum Großteil auf fossilen Energieträgern basieren. Die technischen Optionen für die Reduktion der Emissionen sind vielfältig, konkrete Umsetzungsmöglichkeiten jedoch stark von lokalen Gegebenheiten abhängig. Kommunen nehmen daher auf dem Weg zur Klimaneutralität eine Schlüsselrolle ein, indem lokale Strategien unter Berücksichtigung der Potenziale vor Ort entwickelt werden. Durch ihre Vernetzung mit lokalen Akteur:innen (u. a. Gebäudeeigentümer:innen, städtisches Verwaltungspersonal, Politiker:innen oder auch Industrie und Unternehmen) und die hieraus resultierende Aktivierung können Kommunen einen wichtigen Beitrag für die Schaffung von Verständnis in der Bevölkerung und somit für die Umsetzung leisten.

Auch das derzeit laufende Forschungsprojekt „ZuSkE – die Zukunft der Sektorkopplung auf kommunaler Ebene“ hat die Integration der Bedürfnisse und Interessen der lokalen Akteure im Fokus. Dabei verfolgt das Projekt einen partizipativen Ansatz – die Projektarbeit findet in einem iterativen Prozess mit drei Praxiskommunen statt. Durch langjährige Projektarbeit mit Kommunen kann die FfE dabei auf Expertise in verschiedensten Bereichen zurückgreifen. Dieser Beitrag beinhaltet eine Übersicht bisheriger Aktivitäten der FfE im kommunalen Kontext und verdeutlicht dabei das Themenspektrum, welches auf dem Weg zur Dekarbonisierung für Kommunen von Relevanz ist.  

 

Kommunale Projekte der FfE

Die Vorarbeit der FfE bei der Unterstützung von Kommunen im Transformationsprozess kann in folgende Themenbereiche geclustert werden:

  • Energiekonzepte und -nutzungspläne: Im Bereich der Energienutzungspläne (ENP) begleitete die FfE bereits eine Vielzahl von Kommunen, wie hier zusammengefasst.

  • Klimaneutrale Wärmeversorgung, wie z.B. Klimaneutrale Wärme in München, wo der Beitrag technischer Möglichkeiten zur klimaneutralen Wärmeversorgung Münchens und die damit verbundenen Kosten untersucht werden. In dem Projekt fand ein intensiver Austausch mit lokalen Akteuren verschiedener Abteilungen der Stadtwerke München, diverser Referate der Landeshauptstadt München sowie mit den städtischen Wohnungsbaugesellschaften statt.

  • Klimaneutrale Wärmenetze: Die Projekte zu Wärmenetzen 4.0 (Rosenheim, Landsberg) behandeln die Entwicklung eines neuen Wärmenetzes der vierten Generation, wobei auch verschiedene Sektorkopplungsmöglichkeiten in der Entwicklung Berücksichtigung finden. In der Kurzstudie Grüne Fernwärme werden technische Maßnahmen zur Realisierung einer zukunftsfähigen Fernwärmeversorgung untersucht. Ab August 2021 wird die Thematik klimaneutraler Wärmenetze durch das Projekt Zukunftsstrategie Fernwärme fortgesetzt.

  • Industrieberatung: Eine der Kernkompetenzen der FfE liegt in verschiedenen Bereichen des industriellen Energiemanagements, welche langjährige Beratung in zahlreichen Unternehmen inkludiert. In diesem Kontext ist die Initiative der Lernenden Energieeffizienz-Netzwerke (LEEN) zu sehen. Mit dem Ziel einer Energieeffizienzsteigerung in Industrie und Gewerbe unterstützt die FfE eine Vielzahl von Unternehmen durch Energieeffizienz-Netzwerke in Deutschland und Österreich.

  • Flexibilitätsnutzung, wie z. B. im Projekt C/Sells, im Zuge dessen die FfE ein Konzept zur Nutzung der im Verteilnetz vorhandenen lokalen Flexibilität entwickelte und in der Kommune Altdorf bei Landshut im Feldversuch erfolgreich in der Praxis umsetzte. Als Teil des Forschungsprojektes Kopernikus Synergie werden Flexibilitätsoptionen in der Modellregion Augsburg analysiert und die Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf andere Regionen Deutschlands untersucht.

  • Kommunale Mobilitätswende, wie z. B. im Projekt München Elektrisiert (Me), welches sich mit der Errichtung privater, gewerblicher und öffentlicher Ladeinfrastruktur sowie dem Aufbau und Betrieb von Ladeinfrastruktur auf öffentlichem Grund durch private Anbieter beschäftigt.
    Weitere Beispiele zur Elektromobilität sind die bereits abgeschlossenen Projekte in der Modellkommune Garmisch-Partenkirchen als Teil von e-GAP, wie das Projekt sun2car@GAP> (Eigenverbrauch von Photovoltaikenergie mit Elektrofahrzeugen). Im Projekt ePlan-B wurde in Buchloe als Erprobungs-Region ein intelligentes Lademanagement an Park & Ride Parkplätzen umgesetzt und analysiert.

  • Energieversorgung in Afrika: Nicht zuletzt unterstützt die FfE dabei, auch in Entwicklungsländern eine nachhaltige lokale Energieversorgung zu realisieren. Dazu zählen die langjährige Zusammenarbeit inkl. vor-Ort Beratung zur Energieoptimierung mit dem Blessed Gérard's Care Centre (Südafrika) oder das Projekt mit der Abtei Ndanda Abbey (Tansania), in dem für die Abtei und das umliegende Areal ein Konzept für eine Insel-Energieversorgung erstellt wurde.

 

 Präsentation kommunaler Energiekonzepte intelligentes Lademanagement Energieberatung Südafrika

Abbildung 1: Präsentation kommunaler Energiekonzepte, Erprobung eines intelligenten Lademanagements, Energieberatung in Südafrika

Neben den technischen Gegebenheiten zeigten sich in bisherigen Projekten die Bedürfnisse der Akteure vor Ort sowohl bei konzeptionellen Arbeiten als auch in der praktischen Umsetzung als relevante Faktoren. Das laufende Forschungsprojekt ZuSkE verfolgt daher einen partizipativen Ansatz bei der Entwicklung von Sektorkopplungsstrategien. Um den Austausch zwischen lokalen Stakeholdern langfristig zu fördern, werden im FfE-Teilprojekt zielgruppenspezifische Kommunikationstools erarbeitet. Im Folgenden werden die übergeordneten Ziele und Inhalte des Projektes dargelegt.

 

Gemeinsame Entwicklung von kommunalen Sektorkopplungsstrategien – das Beispiel „ZuSkE“

Das derzeit laufende FfE-Forschungsprojekt „ZuSkE – Zukunft der Sektorkopplung auf kommunaler Ebene“ erfolgt im Konsortium mit dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), DIALOGIK, und der Zivilgesellschaftlichen Plattform Forschungswende. Das Vorhaben zielt zum einen darauf ab, Strategien zur kommunalen Sektorkopplung inter- und transdisziplinär zu entwickeln und zu bewerten. Zum anderen steht eine nutzerzentrierte, partizipative Entwicklung von Kommunikationstools für lokale Akteure im Zentrum des Vorhabens. Sie sollen Kommunen im Transformationsprozess (und darüber hinaus) unterstützen. Der Schwerpunkt des FfE-Teilvorhabens liegt auf der Entwicklung einer Webanwendung. Ziel ist dabei, den Wissensstand zum Thema Sektorkopplung unter verschiedenen kommunalen Akteur:innen zu vereinheitlichen und eine gemeinsame Basis für den weiteren Dialog zur Transformation des kommunalen Energiesystems zu schaffen. 

 

Nutzerorientierte Weboberfläche als Basis für den Dialog zwischen kommunalen Stakeholdern

Abbildung 2: Schwerpunkt des FfE-Teilprojektes: Nutzerzentrierte Weboberfläche als Basis für den Dialog zwischen kommunalen Stakeholdern

 

Partizipativer Ansatz – kommunale Akteure sind aktiv beteiligt

ZuSkE zeichnet sich dabei durch den partizipativen Charakter aus: die Inhalte werden in enger Zusammenarbeit mit kommunalen Stakeholdern aus drei Praxiskommunen konzipiert. Bei den Kommunen handelt es sich um die Stadt Berlin, die Stadt Walldorf (Baden-Württemberg) und die Stadt Freilassing (Bayern). Die Entwicklung der Webanwendung verfolgt dabei einen User-Centered Design (UCD) Ansatz: In mehreren Workshops kommen kommunale Stakeholder aus den Bereichen Energie und Klimaschutz an einen Tisch und bringen ihre Interessen, Bedürfnisse und Expertise in den Entwicklungsprozess ein. In Iterationsschleifen wird die Webanwendung auf die individuellen Bedürfnisse der Stakeholder angepasst.

 

Inhalte der ZuSkE-Webanwendung als FfE-Teilprojekt

Das übergeordnete Thema der Webanwendung stellen kommunale Sektorkopplungsoptionen dar, welche anhand von Texten, Schaubildern, Diagrammen und Karten zielgruppenspezifisch aufbereitet werden. Die grundlegende Story haben die Anwendungen der drei Kommunen gemeinsam. Beantwortet werden Fragen wie:

  • Was ist Sektorkopplung und welche Technologien gibt es?
  • Welche Optionen gibt es für Sektorkopplungsmaßnahmen auf kommunaler Ebene?
  • Was sind die Potenziale vor Ort und wo bestehen große Hebel zur CO2-Reduktion?

Im Zuge der spezifischen Websiteentwicklung für die jeweiligen Praxiskommunen werden lokale Gegebenheiten beleuchtet, die das kommunale Energiesystem und Möglichkeiten zur Sektorkopplung beeinflussen. Hierbei werden auf Basis der Analyse von Ist-Zustand und Potenzialen in den Kommunen folgende Fragen beantwortet:

  • Wie ist der Status Quo des Energiesystems in den Kommunen?
  • Was wurde bzgl. Sektorkopplung bereits umgesetzt?
  • Welche weiteren Potenziale und Optionen gibt es hinsichtlich Sektorkopplung in den Kommunen?

Durch interaktive Elemente, eine ansprechende Aufbereitung der Inhalte sowie den lokalen Bezug soll das Thema den Zielgruppen verständlich und nutzerfreundlich zugänglich gemacht werden. Letztendlich wird die resultierende Webanwendung öffentlich bereitgestellt und die Übertragbarkeit auf andere Kommunen aufgezeigt. Mehr Informationen zum Projekt befinden sich hier und im Fokuspapier des Konsortiums zum Download.

 

Förderung und Projektpartner

BMWI FörderlogoDas Forschungsprojekt ZuSkE wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert (Förderkennzeichen: 03EI5205C).

 

Weitere Informationen:

 

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