Pilotvorhaben Erprobung von Contractingmaßnahmen in gewerblichen Unternehmen

Zuletzt aktualisiert am 05.02.2017

Zusammenfassung

Contracting ist einer der Schlüsselbegriffe in der national und international geführten Diskussion um die Steigerung der Energieeffizienz bzw. die Senkung der Treibhausgasemissionen. Anlass für die hohen Erwartungen an dieses Instrumentarium zur Umsetzung von Optimierungspotenzialen ist die Vielzahl positiver Beispiele, die jedoch vorzugsweise aus dem kommunalen Bereich stammen. Um die Möglichkeiten des Contracting auch im Bereich der gewerblichen Wirtschaft zu prüfen, hat die Staatsregierung im Umweltpakt Bayern zugesagt, im Abstimmung mit der bayerischen Wirtschaft ein Pilotvorhaben durchzuführen.

Zielsetzung dieses Pilotvorhabens war es, am konkreten Beispiel von 21 Unternehmen zu analysieren, ob durch Energieeinspar-Contracting die Bereitschaft der Unternehmen zur Durchführung von Energieeinsparmaßnahmen erhöht werden kann. Zu überprüfen war auch, inwieweit durch verstärkte Information bzw. staatliche Förderung die Nachfrage bzw. Bereitschaft eines Betriebes zur Realisierung von Contracting-Projekten gesteigert werden kann.

Um diese Fragen zu beantworten, wurden zunächst 21 Pilotunternehmen in Bayern ermittelt, die von Unternehmensgröße, -struktur und -alter ein entsprechendes Potenzial für Energieeinsparmaßnahmen erwarten ließen. Eine Fragebogenaktion lieferte erste Indizien dafür, dass insbesondere bei kleinen und mittleren Betrieben erhebliche Informationsdefizite bezüglich des Themas Contracting bestehen, dass die Unternehmen an entsprechenden Informationen interessiert sind und dass mit Contracting die Erschließung von vorwiegend Kosten-Einsparpotenzialen verbunden wird.

Anschließend wurden in den Unternehmen Energieanalysen in Anlehnung an VDI 3922 durchgeführt, um Schwachpunkte bei der Energieversorgung und -anwendung aufzudecken. Die aufgedeckten Schwachstellen, deren Spannbreite von Leckagen im Druckluftsystem bis zu veralteten Dampfkesseln reicht, wurden anschließend in Abstimmung mit Contracting-Anbietern auf ihre Behebung im Rahmen von Contracting untersucht. Dieser Abstimmungsprozess offenbarte eine Reihe von Hemmnissen für die Durchführung von Contracting-Projekten im gewerblichen Bereich:

  • Die Energieversorgung ist in vielen gewerblichen Unternehmen stark an die Bedürfnisse des Produktionsprozesses angepasst, so dass standardisierte Lösungen, wie sie im kommunalen Bereich die Regel sind, nur selten möglich sind. Zur Beantwortung der Frage, ob vorhandene Einsparpotenziale durch Contracting erschlossen werden können, sind meist eingehende Voranalysen – wie sie z.B. in diesem Projekt im Rahmen der Ist-Zustands-Analysen durchgeführt wurden – notwendig. Dadurch steigen jedoch die Nebenkosten von Contracting-Lösungen erheblich.

  • Bei der kaufmännischen Bewertung von Contracting-Lösungen wird das vom Contractor eingesetzte Kapital häufig wie vom Unternehmen aufgenommenes Fremdkapital betrachtet, so dass Contracting keinen wesentlichen Vorteil gegenüber der Eigenrealisierung besitzt. Demgegenüber wird im kommunalen Bereich strikt zwischen langfristigen Lieferverträgen und Fremdkapitalaufnahme unterschieden.

  • Die Bonität - ein wesentliches Kriterium für die Risikobewertung von Contracting-Verträgen - ist bei gewerblichen Unternehmen meist deutlich schlechter als im kommunalen Bereich.

  • Generell stellt Flexibilität für viele gewerbliche und industrielle Unternehmen einen wesentlichen Produktionsfaktor dar, der gegen langfristige Verträge mit Lieferanten spricht.

  • Ein nicht unerheblicher wirtschaftlicher Vorteil für Contracting-Lösungen ergibt sich aus der derzeitigen Ökosteuer-Regelung. Immer dann, wenn ein Contracting-Anbieter aufgrund seiner Einstufung als Energieversorger zumindest teilweise von der Ökosteuer befreit ist, kann er diesen Vorteil gegenüber einem nicht-ökosteuerbefreiten Contracting-Nehmer (z.B. Kommune) in die Kosten-Kalkulation mit einbeziehen. Im kommunalen Bereich ergeben sich somit bei Contracting-Lösungen - unabhängig von einer Energieverbrauchsminderung - Energiekostenminderungen. Dieser wirtschaftliche Zusatznutzen entfällt beim Contracting in der Wirtschaft, da ein Großteil der für Contracting grundsätzlich in Frage kommenden gewerblichen Unternehmen als produzierendes bzw. energieintensives Gewerbe zumindest teilweise von der Ökosteuer befreit ist.

Diese Hemmnisse haben dazu geführt, dass es letztendlich nur in einem Fall zu einem Angebot eines Contractors kam, zwei weitere Unternehmen haben Interesse an Einspar-Contracting, doch bis zum Ende des Projekts wurde kein Angebot erstellt.

Antworten auf die eigentlichen Fragestellungen des Projekts, ob durch verstärkte Information oder staatliche Förderung von Contracting die Bereitschaft zur Realisierung von Einsparmaßnahmen gesteigert werden kann, ergeben sich bei der Analyse der oben dargestellten Hemmnisse:

  • Die reine Existenz von Energieeinsparpotenzialen reicht in gewerblichen Unternehmen nicht aus, um Maßnahmen zur Nutzung dieser Potentiale einzuleiten (z.B. durch Einspar-Contracting). Neben der Wirtschaftlichkeit gibt es viele weitere Faktoren, die in einem Unternehmen maßgeblich den Entscheidungsprozess, ob eine Maßnahme durchgeführt wird, beeinflussen.

  • Auch im kommunalen Bereich existieren Tendenzen, die kaufmännische Bewertung von Contracting der einer Fremdkapitalaufnahme anzugleichen.

  • Das Problem mangelnder Bonität könnte durch staatliche Absicherung von Krediten (Bürgschaften) eventuell entschärft werden. Für die Eigenrealisierung existieren derartige Fördermechanismen bereits in Form von zinsgünstigen Darlehen für Effizienzmaßnahmen, wie sie z.B. von der Kreditanstalt für Wiederaufbau im Rahmen des Programms zur CO2-Minderung oder des ERP-Umwelt und Energiesparprogramms angeboten werden.

Sowohl die theoretische Analyse der Hemmnisse als auch die praktischen Erfahrungen in den 21 Pilotunternehmen belegen, dass eine objektive Informationskampagne zum Thema Contracting keinen wesentlichen positiven Einfluss auf die Umsetzung von Energie-Einsparmaßnahmen im gewerblichen Bereich haben würde.

Wegen der bestehenden Hemmnisse für die spätere Realisierung von Contracting-Projekten ist eine ausschließlich auf Contracting gerichtete finanzielle staatliche Förderung nicht sinnvoll.

Die Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass in den meisten Unternehmen Einsparpotenzial vorhanden ist. Fördermittel für Untersuchungen über den Energieverbrauch sowie über Möglichkeiten den Energieverbrauch zu vermindern bzw. neue Energietechnologien einzusetzen stellen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen häufig die einzige Chance dar Optimierungspotenziale zu erkennen und zu erschließen.

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