Pluralistische Wärmeversorgung

Zuletzt aktualisiert am 05.02.2017

Abstract

Die AGFW-Hauptstudie (Arbeitsgemeinschaft Fernwärme) ist ein Verbundprojekt, in dem Strategien und Technologien einer pluralistischen Fern- und Nahwärmeversorgung für einen Zeithorizont bis 2020 erarbeitet werden sollen. Neben der Beachtung langfristig gültiger energiewirtschaftlicher Aspekte werden die umweltpolitischen Verpflichtungen zur Reduktion von Klimagasen im Rahmen der Bedingungen des liberalisierten Energiemarktes behandelt. Eine besondere Berücksichtigung der Studie erfahren hierbei die Kraft-Wärme-Kopplung und regenerative Energien.

Allgemeiner Kontext, Zielsetzung und Vorgehensweise

Die Hauptstudie wird im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW) von folgenden Instituten erarbeitet: bremer energie institut, Forschungsstelle für Energiewirtschaft, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Fraunhofer Institute ISI und UMSICHT und Institut für Energietechnik, TU Dresden. Es wird sich dabei auf eine gleichnamige Vorstudie gestützt, die auf den Zeithorizont 2005 ausgerichtet wurde. Daraus können folgende Kernaussagen getroffen werden:

  • Es stellt sich die dringende Aufgabe, den Informationsstand über die Kraft-Wärme-Kopplung, auf den sich gesetzliche Regelungen abstützen können, grundlegend und zügig zu verbessern.
  • Es geht darum, ein Bestsystem vorzuschlagen, das unterschiedlichen Zielen - energiewirtschaftlich und umweltpolitisch - und unterschiedlichen Randbedingungen genügt und sich unter Berücksichtigung der neuen Erzeugungstechniken aus kleinen, dezentralen, mittleren und großen, zentralen Erzeugungsanlagen zusammensetzt.
  • Aufgabe der Hauptstudie "Pluralistische Wärmeversorgung" ist es, differenziert unter Beachtung der jeweiligen Versorgungssituation das insgesamt kostenminimale Maßnahmenbündel mit unterschiedlichen Techniken auszuweisen, welches das durch Zielsetzung vereinbarte und das größtmögliche CO2-Vermeidungspotenzial erschließt.

Der generell unterstellte Trend einer technischen Dezentralisierung soll mit unterschiedlichen Vorgaben zum Primärenergieeinsatz in Szenarien des Jahres 2020 abgebildet werden. Dazu ist es notwendig, heute noch nicht verfügbare Modelle der dezentralen Versorgung aufzubauen, durch deren Addition sich das Gesamtenergiesystemmodell ergibt bzw. die durch Transformation über Schnittstellen ihre Ergebnisse in die heute bekannten Energiesystemmodelle - wie IKARUS - übertragen und damit die Grundlagen energiepolitischer Entscheidungen wesentlich verbessern.

Durch diese differenzierte Betrachtung werden in den Szenarien des Jahres 2020 die Auswirkungen der technisch-wirtschaftlichen Entwicklung und die Rolle der KWK und der leitungsgebundenen Wärmeversorgung in Abhängigkeit von unterschiedlichen Vorgaben - z.B. Anteil der Erneuerbaren an der Energieversorgung - sichtbar gemacht. Es wird weiter eine ökonomische und ökologische Bilanz der jeweiligen Szenarien erarbeitet und sowohl die politischen Maßnahmen zur gesicherten Realisierung der Szenarien, als auch unternehmerische Handlungskonzepte werden vorgestellt. Darüber hinaus sollen die notwendigen F&E-Aktivitäten zur zielorientierten Weiterentwicklung der KWK-Techniklinien aufgezeigt werden.

Die Zielsetzung lässt sich somit wie folgt darstellen:

A. Beschreibung der Möglichkeiten der Kraft-Wärme-Kopplung, der Fern- und Nahwärme in der zukünftigen Energieversorgung bis
zum Jahre 2020. Darunter:

  • Ausbaupotenziale für KWK und leitungsgebundene Wärmeverteilung
  • Beschreibung und Bewertung fortschrittlicher KWK-Techniken einschließlich Brennstoffzelle
  • Technologischer Vergleich zur CO2-Minderung
  • Maßnahmen zur progredienten Förderung der KWK als CO2-Einspartechnik

B. Beratende Begleitung der Energiepolitik, kurzfristig

  • zur beabsichtigten Quotengesetzgebung und
  • zur Energieeinsparverordnung

Ergebnisse

Vor Kurzem wurde ein erster Baustein "Beschreibung der Ausgangsbasis der KWK" abgeschlossen. Die Ergebnisse werden im Folgenden kurz dargestellt:

KWK gilt als wichtiger Baustein einer klimaschutzorientierten Energiepolitik. Um diese Rolle in vollem Umfang entfalten zu können, benötigt sie unter aktuellen Marktbedingungen Zuschüsse und auf lange Sicht Planungssicherheit. Eine in diesem Maße anzustrebende Unterstützung lässt sich eher sicherstellen, wenn von vornherein für eine Qualitätssicherung gesorgt wird. D.h. nur KWK-Erzeugung, die Zertifizierungskriterien genügt, darf an einem Fördersystem partizipieren.

Dabei stellt sich die Frage, was zertifiziert werden soll. Hierzu wurden in der Vergangenheit mehrere Vorschläge unterbreitet. Diese werden ausführlich erläutert und einer Bewertung unterzogen. Dabei ergibt sich, dass - wie von der AGFW vorgeschlagen - eine Bestimmung der KWK-Stromerzeugung nach vorheriger Anlagenzertifizierung der am besten geeignete Weg ist. Es wird auf die hierfür erforderlichen Schritte sowie die Anforderungen an die Gesamtorganisation eingegangen.

In einem weiteren Abschnitt wird der Frage nachgegangen, welches Instrument zur Förderung der KWK am besten eingesetzt werden sollte. Der Bericht gibt einen Überblick über denkbare Förderinstrumente (Tabelle 1).

 

Wer bezahlt? Instrumententyp
A. Öffentlicher Haushalt Steuerentlastung
Beihilfe (Bonus)
B. Strom-/Wärmekunde Preisregelung (Einspeisevergütung)
Mengenregelung (CO2-Quote, Wärmequote, KWK-Stromquote)