Teilnahme am (digitalen) Energiesystem – welche Formen der Partizipation gibt es?

Beitragsreihe „Partizipation im (digitalen) Energiesystem“ – Teil 1

Bei der Entwicklung und Umsetzung des Partizipationskonzeptes für ALF als auch in weiteren C/sells Partizipationszellen konnten Erkenntnisse zu Herausforderungen und Erfolgsfaktoren gesellschaftlicher Partizipation im digitalen Energiesystem gesammelt werden. Nach der Einführung ist dieser Artikel Teil 1 einer kurzen Beitragsserie von vier Beiträgen, in der wir diese näher erläutern werden:

 

Beitragsreihe "Partizipation im (digitalen) Energiesystem
1.   Teilnahme am (digitalen) Energiesystem – welche Formen der Partizipation gibt es?
2.   Akzeptanz und Bereitschaft zur Teilnahme – welche Anreizmechanismen spielen eine Rolle?
3.   Erfolgsfaktoren für Partizipation in lokalen Energieprojekten – Lessons Learned aus den C/sells Demonstrationsprojekten
4.   Umwelteinflüsse digitaler Partizipationskonzepte – ökologische Aspekte eingesetzter digitaler Infrastruktur

 

Um ein Partizipationskonzept für Bürgerbeteiligung im Energiesystem zu entwickeln, ist zu Beginn eine klare Definition der angestrebten Form von Partizipation entscheidend. In diesem Beitrag werden zunächst verschiedene Partizipationsmöglichkeiten erläutert und die Partizipationstätigkeiten im Zuge des Altdorfer Flexmarktes dargestellt.

Theoretischer Hintergrund

Partizipation kann in verschiedenen Ausprägungen erfolgen. Gemäß der Begriffserklärung nach der Arnstein’schen Partizipationsleiter [1] unterscheiden sich diese nach dem Grad des potenziellen Einflusses. Von reiner Information über Mitwirkung und Zusammenarbeit bis hin zur Eigenständigkeit und Selbstverantwortung nimmt die Rate zu, mit der Bürger und Interessengruppen an einem Prozess teilnehmen und diesen potenziell beeinflussen können. In der Literatur wird in vier Ebenen der Partizipation unterschieden: Information, Konsultation, Kooperation und Autonomie (vgl.[3]). Die Stufen unterscheiden sich nach Projektabsicht. Strategien zur Kommunikation werden entsprechend der Beteiligungsform geplant und ins Partizipationskonzept integriert.

Beispiel: Partizipation im Altdorfer Flexmarkt „ALF“

Im Demonstrationsprojekt des Altdorfer Flexmarktes „ALF“ ist eine Teilnahme von 30 – 60 Besitzer*innen dezentraler Flexibilitätsoptionen wie PV-Anlagen, Wärmepumpen, Batteriespeicher oder auch Elektromobilität vorgesehen (vgl. [2]). Dabei werden mehrere Stufen als Teil des Partizipationskonzeptes abgedeckt (vgl. Abbildung 1).

 

Implementation verschiedener Stufen der Partizipation

Abbildung 1:        Implementation verschiedener Stufen der Partizipation nach [1] im Feldversuch ALF

 

Die verschiedenen Stufen werden im Projekt wie folgt umgesetzt:

Information: Neben Erläuterungen zum Projekt ist ein Wissenstransfer zur allgemeinen Notwendigkeit der Energiewende und einhergehenden Herausforderung relevant, um ein ganzheitliches Verständnis zu schaffen. Diese Stufe der passiven Beteiligung wird daher zunächst durch das Partizipationsteam des C/sells-Gesamtprojektes (Smart Grids BW) umgesetzt. Dies beinhaltet Öffentlichkeitsarbeit bei Informationsveranstaltungen in der Projektregion (z.B. Infostand am Marktfest oder der regionalen Umweltmesse) als auch diverse Kampagnen (z.B. Bekleben von Verteilerkästen, Postversendungen mit Botschaften der Energiewende). Spezifische Information zum Projekt werden durch das FfE-Projektteam über Beiträge in lokalen Zeitschriften und bei Bürgerdialogen vor Ort zur Ansprache von Teilnehmer*innen geteilt. Online werden Informationen durch regelmäßige Newsletter zum Verlauf des Feldversuchs sowie allgemein auf der Projektwebseite bereitgestellt. Inkludiert werden sowohl detaillierte Beschreibungen zur ALF-Plattform als auch FAQs, welche schnell erfassbare Antworten und Kernbotschaften an die Zielgruppe liefert.

Beratung: Durch die Kommunikation zwischen dem Projektteam und interessierten Teilnehmern wird die Möglichkeit eines Austausches in Diskussionsrunden und im persönlichen Gespräch gegeben. Dies erfolgt z. B. im Anschluss an den informativen Teil des Bürgerdialogs, bei einer Auftaktveranstaltung zum Feldversuch sowie über Telefongespräche. Zudem werden durch die Teilnahme Informationen zum Energieverbrauch über eine zielgruppenspezifische Aufbereitung der Messdaten je Anlage geteilt, welche beratend bezüglich Anpassungen des Verbraucherverhaltens wirken können.

Partnerschaft: Durch die Teilnahme am Altdorfer Flexmarkt und der damit verbundenen Einverständniserklärung für die Integration der Anlagen wird eine Partnerschaft zwischen den Teilnehmern und dem Projektpartner Bayernwerk als lokaler Verteilnetz- und grundzuständiger Messstellenbetreiber generiert. Die Partnerschaft besteht über die Projektlaufzeit und ist mit der Unterzeichnung der AGBs vertraglich geregelt.

Insgesamt befinden sich die Teilnehmer am Feldversuch ALF in der mittleren Einfluss-Skala: es besteht Wissenstransfer durch das Projektteam über allgemeine Themen der Energiewende sowie projektspezifische Informationen. Beratung erfolgt über persönliche Gespräche und die Bereitstellung von erhobenen Daten als Dienstleistung. Die oberen Stufen der Partizipationsleiter werden im Projekt nicht umgesetzt, bspw. erfolgt keine aktive Mitgestaltung der Funktionsweise oder Visualisierung der Marktplattform ALF. Dies ist jedoch im Gegensatz zu den anderen Partizipationsstufen auch nicht Ziel des Projektes, wodurch das Partizipationskonzept genannte Bestandteile inkludiert.

 

Quellen:

[1]

Arnstein, Sherry R.: A Ladder Of Citizen Participation in: Journal of the American Institute of Planners, Vol. 35, Iss. 4. Cambridge, UK:  American Planning Association (APA), 1969

[2]

Zeiselmair, Andreas et al.: Altdorfer Flexmarkt (ALF) - Konzeptbeschreibung, Zielsetzung, Funktionsweise und Prozesse des Altdorfer Flexmarkts. München: Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V., 2018.

[3]

Wohlschlager, Daniela et al.: Bürgerbeteiligung in intelligenten Energiesystemen - Konzept zur gesellschaftlichen Partizipation in lokalen Energieprojekten am Beispiel des Altdorfer Flexmarktes. In: Tagungsunterlagen Zunkünftige Stromnetze; Berlin: Conexio GmbH, 2020.

Dieser Artikel ist Teil 1 von 4 der Beitragsreihe „Partizipation im zukünftigen (digitalen) Energiesystem

 

Weiterführende Informationen:

 

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