Altdorfer Flexmarkt (ALF)

Der Altdorfer Flexmarkt (ALF) stellt ein Konzept zur Nutzung der im Verteilnetz vorhandenen Flexibilität dar. Verteilnetzbetreiber erhalten durch ALF ein Werkzeug, in ihrer Betriebsplanung flexibel auf Netzengpässe zu reagieren und somit seltener auf Notfallmaßnahmen  zugreifen zu müssen. Durch die Erschließung lokal verorteter Flexibilität können die Netze besser ausgelastet und Einspeise- und Verbrauchsspitzen reduziert werden. Dadurch können mehr Erneuerbare Energien und neue Verbraucher ins Netz integriert werden, ohne das Netz auf das „letzte Kilowatt“ auszubauen oder Erneuerbare Energien durch Einspeisemanagement regelmäßig drosseln zu müssen. Somit schafft ALF einen aktiven Beitrag zur Erreichung der Ziele der Energiewende.

ALF dient dabei als Schnittstelle zwischen Netzbetreibern und Flexibilität im Netz. Dies ermöglicht die Gewährleistung eines kostenoptimalen, sicheren und zuverlässigen Flexibilitätseinsatzes.

Sogenannte Flexibilitätsanbieter (kurz: Flex-Anbieter) repräsentieren Besitzer, Betreiber und Vermarkter von Flex-Optionen und können auf der zur Verfügung gestellten Plattform ihre Flexibilität anbieten. Als Flex-Optionen gelten regelbare Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen sowie Speicher, die durch ein externes Signal zu und abgeschaltet werden können. Durch den einfachen Zugang wird über ALF auch kleinteiligen Flex-Optionen die Möglichkeit geboten, einen Beitrag zu leisten. Beispiele von Flex-Optionen, die über ALF erschlossen werden sollen, sind PV-Anlagen, Wärmepumpen, Speicher wie Batterie- und Nachtspeichersysteme oder auch Elektrofahrzeuge.


Funktionen des Altdorfer Flexmarkts

ALF bietet eine marktbezogene Maßnahme zur präventiven Lösung von Engpässen im Verteilnetz.  

Flex-Anbieter stellen sog. Flex-Angebote auf der Plattform ein bzw. geben ihre Flex-Option zur Nutzung frei, wenn sie selbst ihre Anlage nicht aktiv vermarkten. Flex-Anbietern werden dadurch neue Erlöspotenziale geboten. Die Anreize für Flex-Anbieter um auf der Plattform teilzunehmen umfassen Zusatzerlöse, alternative Vermarktungsmöglichkeiten und kürzere Amortisationszeiten aufgrund von Zusatzeinnahmen sowie der aktive Beitrag zur Energiewende bei relativ geringem Aufwand. Die niedrige Einstiegshürde zur Teilnahme vereinfacht die Partizipationsmöglichkeiten auch kleiner Akteure.

 

Der Netzbetreiber als Flex-Nachfrager stellt wiederum einen Bedarf ein, um eine Lösung für seinen Netzengpass zu finden.

Stellt ein Flex-Nachfrager einen Bedarf an Flexibilität fest, kann dieser einen Flex-Bedarf mit spezifischer Verortung des Problems einstellen. ALF übernimmt folglich das Matching von Flex-Bedarf und Flex-Angebot und die darauffolgende Abrufentscheidung. Zudem sind auf der Plattform durch den Netzbetreiber Limitierungen hinterlegt die vermeiden sollen, dass Flexibilitätsabrufe zur Lösung eines Netzengpasses einen anderen Engpass verursachen (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Schematisches Grundkonzept  des Altdorfer Flexmarkts und Zusammenspiel von Flex-Option und Flex-Nachfrager

 

Weiterführende Informationen finden Sie im Konzeptpapier des Altdorfer Flexmarkts.

Abbildung 2: Konzeptpapier des Altdorfer Flexmarkts


Plattform-Oberfläche

ALF bietet den beteiligten Akteuren eine einfach zu bedienende Oberfläche.

Der Registrierungsprozess des Flex-Anbieters selbst erfolgt zunächst über das User Interface bzw. die Plattform-Oberfläche und erfordert die Angabe von personenbezogenen Stammdaten.

Zur Registrierung einer Flex-Option legt der Flex-Anbieter nach Auswahl des Anlagentyps über die Plattform-Oberfläche eine neue Anlage an. Folgende Flex-Optionen können dabei gewählt werden:

  • Photovoltaik Anlage (PV)
  • Wärmepumpe (WP)
  • Elektrofahrzeug (EFZ)
  • Batteriespeicher (sowohl Hausspeicher als auch größere Batteriespeichersysteme)
  • Windkraftanlage
  • Elektrische Speicherheizung (WSH) bzw. Nachtspeicherheizung
  • KWK Anlage, z. B. Blockheizkraftwerk (BHKW)
  • Wasserkraft Anlage
  • Industrie / GHD Verbraucher

Im nächsten Schritt müssen allgemeine Angaben zur Flex-Option gemacht werden, bevor Anlagen-spezifische technische Daten abgefragt werden. Die Eingabeabfrage wird dabei möglichst einfach gehalten. Abbildung 3 zeigt beispielhaft den Registrierungsprozess einer Flex-Option, den ein Flex-Anbieter auf der Plattform durchläuft.


Abbildung 3: Oberfläche zur Registrierung einer Flex-Option auf ALF


Feldversuch in Altdorf bei Landshut

Projektregion

ALF wird im Rahmen eines Feldversuchs im Netzgebiet von Bayernwerk im Markt Altdorf bei Landshut und Umgebung gemeinsam mit Probanden implementiert und getestet (vgl. Abbildung 4). Die Partizipationstätigkeiten fokusieren sich auf den Markt Altdorf, die Demonstration des Altdorfer Flexmarktes umfasst auch die umliegenden Kommunen, da diese vom selben Umspannwerk versorgt werden.

Abbildung 4: Projektregion Altdorf bei Landshut und Umgebung sowie der installierten Erneuerbaren Energieanlagen (Stand: Ende 2016)

 

Zielgruppe

Besitzer und Betreiber von sog. Flex-Optionen, also steuerbaren Energie-Erzeugungs- und –Verbrauchsanlagen, wie oben erläutert.

Zeitraum

Das Projekt C/sells läuft seit Anfang 2017. Seit Mitte 2018 ist C/sells in Altdorf aktiv, bspw. mit einem Stand auf dem Marktfest und verschiedenen Informationsveranstaltungen wie dem Altdorfer Bürgerdialog. Im nächsten Schritt starten im 2. Quartal 2019 der Feldversuch, welcher für eine Laufzeit von mindestens 6 Monaten geplant ist.

Technische Anbindung

Für die Übermittlung von Schaltsignalen und die Erfassung von Messwerten wird auf den von der Bundesregierung vorgesehene Rollout von intelligenten Messsystemen (Smart Meter) aufgebaut. Dabei wird Ihr konventioneller Stromzähler durch eine digitale moderne Messeinrichtung ersetzt. Erweitert wird diese um ein sogenanntens Smart-Meter-Gateway sowie eine Steuerbox. Hierdurch können sowohl Schaltsignale als auch Messwerte sicher und zuverlässig an berechtigte Akteure übertragen werden. Weiter Informationen finden Sie hier.

Partizipationsarbeit vor Ort

Für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts ist die Beteiligung der Altdorfer Bürger entscheidend. Deshalb werden diese gezielt seit Beginn des Projekts miteingebunden. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der SmartGrids BW, welche in C/sells u.a. die Partizipationstätigkeiten gebündelt durchführen (weitere Informationen unter ichbinzukunft.de). Durch einen Stand auf dem Marktfest am Gries und das Bekleben von Verteilerkästen wurde 2018 erste Aufmerksamkeit erregt. Das C/sells Team steht außerdem in regelmäßigem Kontakt mit dem Altdorfer Bürgermeister, Gemeinderat und der AG Energie. Das vorläufige Highlight war der Bürgerdialog am 07. März 2019, bei dem knapp 40 Bürger mit Mitarbeitern der FfE und Bayernwerk diskutiert haben. Für das Projektteam ist der Austausch mit interessierten Bürgern besonders wertvoll, weshalb auch während des Feldversuchs Veranstaltungen geplant sind. Außerdem sollen durch Newsletter und soziale Medien aktuelle Entwicklungen im Projekt geteilt werden.


FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wieso werden Märkte wie ALF im Energiesystem der Zukunft gebraucht?

Durch den Ausbau Erneuerbarer Energien und der wachsenden Anzahl neuer elektrischer Verbraucher wie Wärmepumpen oder Elektrofahrzeugen steigt die Belastung der Netze und somit der Bedarf an Flexibilität. Um die Flexibilität der vorhandenen Anlagen zu nutzen, können Flexibilitätsmärkte geschaffen werden, die den Netzbetreibern ein zusätzliches Werkzeug zur effizienten Bewirtschaftung ihrer Netze bieten. Dies reduziert folglich auch die Kosten für Notfallmaßnahmen. Die reduzierten Kosten wirken sich wiederum positiv auf die Netzentgelte aus, welche auf die Letztverbraucher umgelegt werden.

Was hat meine Teilnahme an ALF mit der Energiewende zu tun?

Mit ALF wird das Energiesystem der Zukunft schon jetzt umgesetzt. Mit Ihrer Hilfe können wir herausfinden, welche Anforderungen an lokale Flexibilitätsmärkte bestehen, wie Erneuerbare Energien besser integriert und Abregelung von Erzeugungsanlagen vermieden werden kann – Sie können also bei der Energiewende aktiv ganz vorne mit dabei sein!

Wer steckt eigentlich hinter ALF?

Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. ist ein unabhängiges Forschungsinstitut, das sich mit den aktuellen Fragestellungen der Energiewirtschaft und -technik befasst. Zusammen mit unserem Projektpartner Bayernwerk, dem Netzbetreiber in Ihrer Region, haben wir ALF konzipiert und werden die Plattform betreiben.

Wer kann überhaupt an ALF teilnehmen?

Teilnehmen können alle Besitzer von steuerbaren Erzeugungs-, Verbrauchs- oder Speicheranlagen in Altdorf und Umgebung, die ihre Einspeise- oder Entnahmeleistung bei Bedarf gezielt anpassen können. Hierzu gehören z. B. Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen, Batteriespeicher, Elektrofahrzeuge.

Wieso sollte ich jetzt schon daran teilnehmen?

Je schneller wir Konzepte wie ALF in die Realität umsetzen können, desto besser für die Energiewende und damit die Umwelt. Aber auch für alle, die an Innovationen, der Entwicklung regionaler Märkte oder der gemeinschaftlichen Umsetzung der lokalen Energiewende interessiert sind, ist die Teilnahme attraktiv.

Wie kann ich teilnehmen?/ Was sind die ersten Schritte zur Teilnahme?

Zunächst müssen wir überprüfen, ob Ihre Anlage für eine Teilnahme an ALF geeignet ist. Dazu benötigen wir einige Informationen, etwa Art und Größe der Anlage, welche Sie einfach hier eingeben und uns unverbindlich per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zusenden können. Wenn alles passt, können Sie Ihre Anlage registrieren und Ihr erstes Angebot einstellen. Bei entstehenden Fragen oder Unklarheiten sind wir selbstverständlich auch unter der oben genannten E-Mail-Adresse zu erreichen.

Wie viel Zeit muss ich für die Teilnahme aufwenden?

Sie müssen sich zunächst lediglich für die Teilnahme registrieren. In Abhängigkeit Ihres Anlagentyps bestimmt sich der weitere Aufwand. Bei Kleinanlagen ohne aktive Vermarktung (z. B. Wärmepumpen, kleine PV-Anlagen oder elektrische Speicherheizungen) wird nach erfolgreicher Registrierung und Nutzungsfreigabe Ihrer Anlage auf der ALF-Plattform automatisch Angebote generiert. Falls Sie eine größere, aktiv vermarktete Anlage anbieten möchten, müssen Sie aktiv einen Fahrplan an die Plattform übergeben.

Was bedeutet die Teilnahme für mich?

Durch Ihre Teilnahme leisten sie einen Beitrag zur aktiven Gestaltung der Energiewende und helfen uns dabei, die Funktionsweise eines regionalen Flexibilitätsmarkts zu demonstrieren. Nachdem wir Ihre Anlage auf Eignung überprüft und technische und organisatorische Details geklärt haben, leiten wir den Einbau der Hardware zur Steuerung und Datenerfassung ein. Während des Feldversuchs nehmen Sie aktiv am Altdorfer Flexmarkt teil: Ihre Anlage wird nach Bedarf und zu Testzwecken gesteuert, im Gegenzug erhalten Sie aktuelle Informationen über Solar- und Temperaturprognosen oder die Auslastung Ihrer Flex-Option. Das ganze geschieht natürlich ohne jegliche Komforteinbußen! Außerdem haben Sie durch die Teilnahme die Möglichkeit, sich mit anderen Teilnehmern bei Veranstaltungen oder Treffen auszutauschen. Nach Beendigung des Feldversuchs wird die Mess-und Steuerhardware rückgebaut.



Abbildung 5: Checkliste zur Teilnahme an ALF

Sitze ich dann im Dunkeln, weil mein Nachbar gerade Strom benötigt?

Nein. Nur wenn Sie ihre Anlage selbst zurzeit nicht benötigen, wird sie als Flex-Option zur Verfügung gestellt. Die Teilnahme erfolgt für sie ganz ohne Komfortverlust.

Wann wird ALF in die Tat umgesetzt?

Ab dem 2. Quartal 2019 werden intelligente Messsysteme (iMSys) und Steuerboxen bei den Teilnehmern eingebaut, damit wir im zweiten Quartal 2019 mit dem Demobetrieb der Plattform starten können. Bis Ende des Jahres läuft dann der Feldversuch.

Meine Fragen konnte ich noch nicht beantworten – woher bekomme ich weitere Informationen?

  • Auf einer der Informationsveranstaltungen, die das ALF-Team der FfE gemeinsam mit Bayernwerk in Altdorf und Umgebung abhält, z. B.
  • Per Mail an das FfE C/sells-Team: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  • via Twitter: @FfE_Muenchen


Weiterführende Informationen

Als Teilnehmer an ALF können Sie aktiv an der Gestaltung des Energiesystems der Zukunft mitwirken:



Abbildung 6: ALF-Flyer für den Feldversuch in Altdorf

 

Wenn Sie mehr über die Hintergründe des Projekts wissen wollen, finden Sie hier ein Interview mit dem FfE C/sells Team mit interessanten Einblicken:



Abbildung 7: Interview mit dem FfE C/sells Team zum Feldversuch in Altdorf

 

In dem Gesamtprojekt C/sells spielt die aktive Teilnahme von Bürgern eine zentrale Rolle, weshalb die Plattform Ich bin Zukunft etabliert wurde. Hier finden Sie alles, was Sie zum Thema Partizipation wissen möchten:

 

Smart Meter werden in den nächsten Jahren die analogen Stromzähler ersetzen. Doch wie genau funktioniert ein intelligentes Messsystem überhaupt? Das und noch mehr finden Sie verständlich aufbereitet im FfE Smart Meter Leitfaden:

Abbildung 8: Veröffentlichung: Smart Meter - Umwelt, Technik, Mehrwert

 

 

www.ffe.de/csells


Projekt C/sells

ALF wird im weiteren Verlauf des Projektes C/sells (www.csells.net) gemeinsam von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. und Bayernwerk umgesetzt. Ziel ist es, dadurch wertvolle Erkenntnisse für alle Beteiligten und das Energiesystem der Zukunft zu gewinnen und gemeinsam mit den Bürgern von Altdorf die Energiewende mitzugestalten. Die Ergebnisse sollen als Musterlösung dienen, welche als skalierte Lösung großflächig eingesetzt werden kann, um langfristig fester Bestandteil des Energiesystems zu werden.

 

Verweis auf www.ffe.de/csells

Via Twitter: @Csells_SINTEG


Förderung und Projektpartner

Das beschriebene Vorhaben wird im Rahmen des Verbundprojekts C/sells entwickelt, welches Teil des Förderprogramms „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende (SINTEG)“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) ist (Förderkennzeichen: 03SIN121).

Neben dem BMWi wird die FfE durch die Bayernwerk AG, Intel Deutschland GmbH und der Stadtwerke Augsburg Netze GmbH sowohl finanziell als auch mit Daten und individuellen, praxisnahen Erfahrungenunterstützt. Darüber hinaus werden die genannten Partner die Ergebnisse evaluieren und Umsetzungsmöglichkeiten im eigenen Versorgungsgebiet prüfen.

                                     

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