Die C/sells-FlexPlattform und ihre drei prototypischen Umsetzungen

Ausgehend von den sich wandelnden Anforderungen an elektrische Netze besteht der Bedarf, das bestehende Netzengpassmanagement weiter zu entwickeln. Durch die zusätzliche Komplexität aufgrund kleinteilig verfügbarer Flexibilität, welche im Netzengpassmanagement genutzt werden könnte, und einer steigenden Verzahnung der Prozesse zwischen den Netzbetreibern, aber auch zwischen Netzbetrieb und Markt, ist eine effiziente Netzbetreiber-Koordination unabdingbar.

Hierfür wurde im Rahmen des SINTEG-Forschungsprojektes C/sells ein Konzept für eine sogenannte FlexPlattform entwickelt mit den Zielen, netzebenenübergreifend Bedarfe und Lösungsoptionen effizient zu koordinieren (Prozessoptimierung) und in diesen Prozess zukünftig alle verfügbaren Ressourcen einbinden zu können (Prozesserweiterung). Letzteres umfasst dabei insbesondere die für Bedarfe aktuell ungenutzten, jedoch kurzfristig verfügbaren nachfrageseitigen Flexibilitätspotentiale. Entscheidend für die breite Erschließung und Integration von Flexibilitätsoptionen ist hierbei die Produktausgestaltung. Daher wurden in den drei C/sells FlexPlattform-Umsetzungen (ALF, comax, ReFlex) verschiedene Ansätze entwickelt und umgesetzt. Durch einen weiten Spielraum für das Design von Flexibilitätsprodukten können sowohl die Anforderungen der Netzbetreiberseite als auch die der Anbieterseite abgebildet werden. Die Verfügbarkeit der iMSys-Architektur als gemeinsame, sichere und standardisierte Mess- und Steuerinfrastruktur bietet die Möglichkeit, Flexibilität aus dezentralen Anlagen kosteneffizient zu erschließen. Gerade zur Einbindung bislang ungenutzter Ressourcen, wie z. B. steuerbare Kleinanlagen, die aktuell unter §14a EnWG fallen, ist die Weiterentwicklung bisheriger, ineffizienter Prozesse notwendig.

 Die Csells FlexPlattform in der Übersicht

Abbildung 1: Die C/sells-FlexPlattform in der Übersicht

Die Prozessoptimierung und -erweiterung baut dabei auf den bestehenden Prozessen im Netzbetrieb auf und setzt zugunsten eines geringen Implementierungsaufwands keine tiefgreifenden Änderungen im regulatorischen Rahmen voraus. Stattdessen steht die möglichst effiziente kurzfristige Behebung von Netzengpässen im Fokus, wobei der im Zuge der Einbindung zusätzlicher Ressourcen entwickelte Mechanismus nicht die bestehenden Mechanismen nach § 13 EnWG für das Engpassmanagement ersetzt, sondern parallel existiert und diese somit komplettiert.

Mithilfe des in diesem Dokument beschriebenen Konzepts für eine FlexPlattform sind folgende Vorteile für ein zukunftsfähiges Netzengpassmanagement verbunden: 

  • Kleinteilige Flexibilität, insb. lastseitig, kann technologieoffen in die bestehenden Netzengpassmanagementprozesse eingebunden werden. Der Plattform-Ansatz ermöglicht dabei einen einfachen und standardisierten Zugang für alle Akteure.
  • Die Einsatzkosten der Flexibilität sind dabei grundsätzlich durch die bestehenden Prozesse gedeckelt. Das Produktdesign in der oben beschriebenen hybriden Ausführung (Fahrplanprodukte und Langzeitkontrahierung) deckt dabei die Anforderungen von Anbieter und Nachfrager ab. Darüber hinaus stellt es eine wirkungsvolle Design-Maßnahme gegen strategisches Bietverhalten dar.
  • Die Planungsprozesse der FlexPlattform beinhalten einen gezielten Einsatz von Flexibilität unter Berücksichtigung der jeweiligen Sensitivität auf das Problem.
  • Durch den Einsatz von FlexPlattformen können untergelagerte Netzebenen für Probleme in übergelagerten Netzebenen eingebunden werden. Die Abregelung von EE kann potenziell verringert werden, was den Einspeisevorrang selbiger sichert.

Zusammenfassend lässt sich  feststellen, dass mit dem C/sells-FlexPlattform-Konzept ein wirkungsvoller Baustein für ein zukunftsfähiges Netzengpassmanagement entwickelt wurde.

Das vorliegende Dokument, das in Kooperation mit Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart, dem Fachgebiet Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt dezentrale Energiewirtschaft der Universität Kassel, dem Forschungszentrum Informatik (FZI) und der TenneT TSO GmbH entstanden ist, dokumentiert das C/sells-FlexPlattform-Konzept.

 

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