Ist Klimaschutz den Kunden etwas wert?

Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Mauch auf der VERBUND-Konferenz energy2050 vom 23. bis 25. September 2015 in Fuschl

Vorgetragen am 01.10.2015

Zur Fragestellung, ob Klimaschutz den Kunden etwas wert sei, hat Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Mauch im Rahmen der VERBUND-Konferenz energy2050 im Schloss Fuschl referiert.mauch300px neu

Zwar besteht in der Bevölkerung, so Prof. Mauch, grundsätzlich ein Konsens über die großen Ziele und Maßnahmen wie z.B. die Reduktion von Treibhausgasen und den Ausbau der Erneuerbaren Energien. In der Praxis kollidiert die Umsetzung dieser Ziele jedoch mit persönlichen Interessen, z.B. im Falle einer Errichtung von Windkraftanlagen in der Nähe von Siedlungen, oder dem Naturschutz, so dass es zu Widerstand kommt.    

Das Klima und der Schutz der Atmosphäre stehen als öffentliches Gut nicht nur denen zur Verfügung, die etwas zum Klimaschutz beitragen, sondern auch denen, die nicht kooperieren - ein "spieltheoretisches Gefangenendilemma" also. Damit besteht die Gefahr, dass eine Vielzahl von Staaten bzw. Verbrauchern nicht kooperieren und in Summe nicht ausreichend Klimaschutzmaßnahmen unternommen werden. Die bestmögliche Lösung wäre jedoch eine Kooperation aller Staaten bzw. Verbraucher.

Der Klimaschutz braucht globale Lösungen, das zeigt die Energie- und CO2-Bilanz nach dem Verbrauchskonzept deutlich. Denn ein großer Anteil der Emissionen entsteht nicht vor Ort, sondern wird in Form von Produkten und Rohstoffen aus anderen Ländern importiert.

Da freiwillige Ansätze nicht ausreichen, um die Treibhausgasemissionen den Zielen entsprechend zu senken, werden bereits politische Werkzeuge wie der Emissionshandel eingesetzt. Dieser setzt jedoch nicht direkt am Kunden, sondern auf der Ebene der Industrie an. Die Kosten für den Klimaschutz werden somit nur indirekt über die Preisgestaltung an die Kunden weitergegeben. Ein wichtiger Schritt, den Kunden in den Klimaschutz einzubinden, ist die Steigerung der Transparenz. Das bedeutet zum Beispiel das explizite Ausweisen von klimarelevanten Kostenbestandteilen.

So wäre analog zur EEG-Umlage eine CO2-Umlage denkbar, die aufzeigt, welcher Anteil am Strompreis den Emissionen der Kraftwerke zuzuordnen ist. Ein weiterer Ansatz zur direkten Kundeneinbindung ist das "Personal Carbon Trading". Die Idee hierbei ist die Erfassung von Emissionen im Haushaltsbereich durch Einbezug von Individuen in den Emissionshandel. Das bedeutet, dass nicht nur Unternehmen, sondern auch Privatpersonen aktiv am Zertifikatshandel teilnehmen.

Im Ergebnis, so Prof. Mauch, kann resümiert werden, dass über freiwillige Anreize allein eine dauerhafte Reduktion der Treibhausgasemissionen unrealistisch ist. Durch die direkte Ausweisung der Emissionen kann die Sichtbarkeit der Klimawirksamkeit von Produkten und Dienstleistungen gesteigert werden. Diese gesteigerte Sichtbarkeit und Transparenz kann sich positiv auf die Akzeptanz für politische Instrumente und das Bewusstsein der Kunden auswirken. Die Präsentationsfolien zum Vortrag stehen im Anhang zum Download bereit.

In diesem Zuge haben auch wir von der FfE uns gefragt, was uns der Klimaschutz eigentlich wert ist. Eine Umfrage unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studenten der FfE lieferte folgende Ergebnisse:

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Weitere Informationen sowie eine Pressemitteilung zur energy2050 finden Sie auf der Website des VERBUND.