Netzdienliche Ladesteuerungen von Elektrofahrzeugen

Veröffentlicht am 16.12.2016

Das Potenzial der NoM Elektromobilität hängt von verschiedenen Faktoren ab, die im Projekt MONA ausführlich untersucht und dargelegt wurden. Auf technischer Seite sind vor allem der Durchdringungsgrad von Elektrofahrzeugen und die zukünftige Entwicklung der Batteriekapazitäten und Ladeleistungen relevant. Im Zeitfenster bis 2030 ist davon auszugehen, dass diese durch politisch gesetzte Anreize, wie die Mitte 2016 beschlossene Kaufprämie, und weitere Fortschritte in Forschung und Entwicklung deutlich zunehmen werden.

Auch die praktische Implementierung einer entsprechenden Ladesteuerung konnte bereits in verschiedenen Forschungsprojekten und Feldtests erprobt und deren Funktionalität unter Beweis gestellt werden. Zusätzlich zu diesem technischen Potenzial ist aber vor allem die Ausgestaltung des rechtlichen und regulatorischen Rahmens von entscheidender Bedeutung. Erst wenn dieser durch den Gesetzgeber eindeutig definiert ist und entsprechende Anreizsysteme geschaffen werden, kann das volle Potenzial einer Ladesteuerung von Elektrofahrzeugen gehoben werden.

Ladesteuerung1  Ladesteuerung2 

Unter diesen Voraussetzungen stellt die Elektromobilität nicht nur keine Gefahr für die Systemstabilität dar, sondern kann einen signifikanten Beitrag für die Integration von Erneuerbaren Energien im sich entwickelnden Energiesystem leisten. Dabei liegt das besondere Potenzial der Maßnahme direkt am Anschlussort der Elektrofahrzeuge im Verteilnetz. Durch eine intelligente Verschiebung der Ladezeitpunkte können Lastspitzen gesenkt, der PV-Eigenverbrauch von Haushalten erhöht, die Spannungsqualität auf der Verteilnetzebene optimiert und so der Netzausbaubedarf gesenkt werden.

Grundsätzlich ist technisch durch eine Poolung mehrerer Fahrzeuge auch die Bereitstellung von dezentraler Regelleistung denkbar. In diesem Bereich existieren allerdings viele konkurrierende Technologien wie Power2Heat, Großbatteriespeicher und virtuelle Kraftwerke, die meist eine höhere Verfügbarkeit und geringere spezifische Erschließungs- und Betriebskosten haben, sodass ein Einsatz von Elektrofahrzeugen hier zumindest mittelfristig nicht zu erwarten ist.

Die ganzheitliche Bewertung der Maßnahme hat außerdem gezeigt, dass die Ladesteuerung insbesondere in Bezug auf ihre Auswirkung auf Gesellschaft und Umwelt als sehr unkritisch zu erachten ist. Insbesondere mit Blick auf das Zieljahr 2030 kann dabei eine vorhandene Infrastruktur genutzt werden, wobei die Implementierung der Maßnahme lediglich eine Optimierung dieser bestehenden Strukturen darstellt. Insgesamt hat die Ladesteuerung von Elektrofahrzeugen ein hohes Potenzial zur Netzoptimierung im Verteilnetz und zur besseren Integration dezentraler Erneuerbarer Energien. Um dieses Potenzial zu heben ist nun vor allem der Gesetzgeber gefragt, die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten, um Rechtssicherheit und Anreize für die betroffenen Akteure zu schaffen.