Innovationsfähigkeit deutscher Stromnetze

Veröffentlichung von Alexander Bogensperger, Simon Köppl und Florian Samweber in der et - Energiewirtschaftliche Tagesfragen Heft 9/2016

Veröffentlicht am 29.11.2016

Das Rückgrat der Energieversorgung und damit der Energiewende ist die deutsche Netzinfrastruktur, welche Disparitäten durch volatile Erzeugung aus Photovoltaik und Windenergie sowie neue Verbraucher wie Elektrofahrzeuge kostengünstig ausgleicht. Dafür ist es notwendig, mit steigender Durchdringung von Elektrofahrzeugen und stochastischen Erzeugern, die Netzinfrastruktur u. a. auf der Niederspannungsebene weiter zu entwickeln. Dies ist einerseits durch konventionellen Netzausbau möglich, andererseits durch innovative Netzoptimierende Maßnahmen.

Eine Auswertung des heutigen Rechtsrahmens sowie der regulatorischen Praxis zeigt jedoch, dass – obwohl größtenteils technisch ausgereift – viele Netzoptimierende Maßnahmen aufgrund des Entflechtungsrahmenwerks noch nicht einsetzbar bzw. für Netzbetreiber aufgrund der deutschen Revenue-Cap-Regulierung wirtschaftlich nachteilhaft sind. Dies liegt daran, dass im bisherigen System vor allem Investitionen in Netzbetriebsmittel mit hoher aktivierter Eigenleistung Renditen durch garantierte regulatorische Zinssätze generieren, wohingegen betriebskostenlastige Maßnahmen kaum wirtschaftlichen Mehrwert generieren, da sie als aufwandsgleiche Kosten nicht mit Margen versehen sind. Netzoptimierende Maßnahmen mit hohem Anteil an aktiviertem Eigenkapital werden demnach Maßnahmen mit hohen Betriebskosten grundsätzlich betriebswirtschaftlich vorgezogen.

Ferner verhindert die geltende Entflechtung von Netzen und anderen Teilen der energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette eine Nutzung einer Vielzahl von Netzoptimierenden Maßnahmen, welche nicht Teil des klassischen Netzbetriebes sind. So liegt deren Primärzweck zum einen nicht im Bereich der Netzstabilisierung, zum anderen sind sie per Definition nicht für den Netzbetrieb nutzbar. Dies betrifft vor allem Speichertechnologien wie Quartierspeicher, welche noch nicht explizit per Legaldefinition Teil des Netzassets sein können.

Aus diesen Herausforderungen lassen sich Netzoptimierende Maßnahmen in drei Kategorien clustern.

  1. Netzoptimierende Betriebsmittel sind Sachinvestitionen, welche sich adaptiv an die Netzsituation anzupassen. Dadurch kann die Aufnahmefähigkeit des Netzes, z. B. für erneuerbare Energien, gesteigert werden.

  2. Netzoptimierende Betriebsführung ermöglicht eine optimierte Nutzung der bestehenden Netzinfrastruktur. Ihr Einsatz bedeutet größtenteils betriebliche Aufwendungen. 

  3. Netzorientierte Maßnahmen dienen nicht primär der Netzentlastung und sind keine klassischen Netzbetriebsmittel; betrieben werden sie durch externe Dritte. Rein technisch können diese Einheiten jedoch auch eingesetzt werden, um das Netz zu entlasten.

Die Ausarbeitung zeigt, dass Netzoptimierende Maßnahmen substanzielle Unterschiede aufweisen. In der Praxis ist ihre Umsetzung demnach stark davon abhängig, in welchem Cluster sie sich befinden. Während Netzoptimierende Betriebsmittel und Betriebsführungskonzepte eingesetzt werden können, jedoch nur erstere Renditen generieren, muss der rechtliche und regulatorische Rahmen noch optimiert werden. Dies ist notwendig, um den Einsatz Netzorientierter Maßnahmen grundsätzlich zu ermöglichen und entstehende Betriebskosten im Vergleich zu Sachinvestitionen betriebswirtschaftlich nicht zu benachteiligen.

Einen Überblick über die Einordnung der verschiedenen im Projekt MONA 2030 betrachteten Netzoptimierenden Maßnahmen in die drei Unterkategorien gibt Abbildung 1.

Kategorisierung von NOM

Abbildung: Kategorisierung von NoM gemäß ihrer primären Eigenschaften

 

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