Einspeisemanagement als Netzoptimierende Maßnahme

Veröffentlicht am 24.10.2016

In der Vergangenheit bestand die Funktion des Engpassmanagements hauptsächlich darin, die „Fehler“, die in der kostenorientierten Allokation der konventionellen Stromerzeugung durch das Kupferplattenprinzip am Strommarkt entstehen, auszugleichen und Netzengpässe zu beheben. Für das Jahr 2030 hat sich die deutsche Bundesregierung das Ziel gesetzt den Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung auf 50 % anzuheben und gleichzeitig den vollständigen Ausstieg aus der Atomenergie zu erreichen. Somit steht in Zukunft eine zunehmende stark fluktuierende Einspeisung aus Erneuerbaren Energien einer immer weniger planbaren, flexibel einsetzbaren Erzeugung aus konventionellen Kraftwerken gegenüber. Hinzu kommt die starke öffentliche Ablehnung des Baus neuer Stromtrassen im Übertragungsnetz und die hohen Kosten für den Ausbau des Verteilnetzes, die aber für den weiträumigen Transport von dezentral erzeugter Energie dringend notwendig sind.

Aufgrund dieser Entwicklungen hat das Engpassmanagement energetisch wie monetär in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. So ist die Ausfallarbeit im Jahres 2015 mit 4,699 TWh bereits 64-mal so hoch wie im gesamten Jahr 2009. Die damit zusammenhängenden Vergütungszahlungen sind im gleichen Zeitraum sogar um das 80-fache auf 478 Mio. € gestiegen (siehe Abbildung 1).

Grafik Ausfallarbeit in TWh300 Grafik Entschaedigungszahlungen300

Abbildung 1: Ausfallarbeit durch Engpassmanagement links und die damit zusammenhängenden Entschädigungszahlungen rechts (Daten nach Monitoringberichten 2010 - 2015, den Quartalsberichten 2016, sowie Energiedaten des BMWi)

Dabei konnte durch Auswertung der von den VNB veröffentlichten Daten ein Zusammenhang zwischen der Wind-Einspeisung und dem Einsatz von EinsMan festgestellt werden. Dies resultiert aus einem starken Anstieg von Winderzeugung im Norden und Nordosten Deutschlands bei gleichzeitig sehr niedrigen Verbraucherlasten in diesen Regionen und einem nur langsam vorankommenden Netzausbau im Übertragungsnetz.

Im Rahmen des Projekts MONA wurde untersucht, ob es Sinn machen könnte, die Werkzeuge des Engpassmanagements nicht nur als Betriebsmittel im Netzbetrieb, sondern auch als Alternative zum Netzausbau, im Sinne einer NoM in Betracht zu ziehen. Eben diese grundsätzliche Neudefinition des Engpassmanagements wird auch von vielen Teilnehmern im Konsultationsverfahren hin zu einer neuen Auflage des EEG gefordert. So wird davon ausgegangen, dass es wirtschaftlich sinnvoll sein könnte, die Netze nicht für die „letzte Kilowattstunde“ auszubauen und eine Abregelung von Erneuerbare-Energien-Anlagen in einem moderaten Umfang in Kauf zu nehmen.

Das erscheint vor allem auch deswegen sinnvoll, da die benötigte IKT-Infrastruktur bei den meisten Anlagen bereits installiert ist oder im Rahmen des geplanten Smart-Meter-Rollouts in absehbarer Zeit installiert wird. Somit fallen keine (oder nur sehr überschaubare) zusätzlichen Investitionskosten an. Die Ausfallarbeit wird den Anlagenbetreibern nach aktueller Gesetzeslage auf Basis der individuellen Opportunitätskosten vergütet, welche sich in etwa an der anlagenspezifischen EEG-Vergütung orientieren. Eine Abkehr von dieser Praxis ist nicht zu erwarten. Da die genauen Werte der zukünftigen EEG-Vergütung nicht oder nur sehr bedingt vorherzusehen sind, werden für eine monetäre Bewertung des EinsMan im Vergleich zu den anderen NoM in MONA die niedrigsten aktuellen Werte nach dem jeweiligen Energieträger als obere Abschätzung und der mittlere Börsenpreis im Jahr 2030 als untere Abschätzung herangezogen. Die Ergebnisse dieses Vergleichs stehen noch aus.


Grundsätzlich positiv hervorzuheben ist, dass das Einspeisemanagement lediglich die Optimierung bestehender Anlagen darstellt und somit keine zusätzlichen gesellschaftlichen und umweltspezifischen Komplikationen zu erwarten sind. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass die Abregelung auch wirklich nur in einem moderatem Umfang akzeptiert wird, da es nicht Sinn und Zweck der Energiewende sein kann, den notwenigen Netzausbau durch die großflächige Abregelung EE zu substituieren.

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