Merit Order des Kraftwerksparks

Veröffentlicht am 08.06.2010

In diesem Artikel erläutern die Autoren die Merit Order des Kraftwerksparks und deren energiewirtschaftliche Bedeutung. Es wird gezeigt, wie ausgehend von dem Kraftwerkspark Deutschlands die Merit Order mit Hilfe der Brennstoffpreise und der Wirkungsgrade berechnet werden kann. Die sich so einstellende Grenzkostenkurve wird mit den an der European Energy Exchange (EEX) realisierten Preisen verglichen. Abschließend wird für das Jahr 2008 der so genannte Merit Order Effekt ausgewiesen.

Auszüge aus dem Artikel:

Definition und Bedeutung der Merit Order

Die sortierte Grenzkostenkurve der Stromerzeugung wird als Merit Order (englisch für Wert-Reihenfolge) bezeichnet. Anhand ihrer lässt sich für eine gegebene Stromnachfrage zu jedem Zeitpunkt bestimmen, mit welchen Kraftwerken diese Nachfrage am kostengünstigsten gedeckt werden kann. Vor der Liberalisierung der Elektrizitätsmärkte hat diese Kraftwerkseinsatzplanung das vollintegrierte Energieversorgungsunternehmen für sein Versorgungsgebiet durchgeführt.

Seit der Liberalisierung gibt es eine Vielzahl an Kraftwerksbetreibern, deren Kraftwerkseinsatzplanung vorrangig durch die am Markt erzielbaren Preise bestimmt wird. Aufgrund der Preisbildungsmechanismen an der Strombörse sorgt nach der ökonomischen Theorie nun der Markt für den kostengünstigsten Kraftwerkseinsatz.

Der Merit Order Effekt

Wie in dieser Veröffentlichung theoretisch als auch empirisch gezeigt, korreliert der Strompreis positiv mit der Residuallast. Eine erhöhte Einspeisung aus erneuerbaren Energien führt zu einer verminderten Residuallast und in Folge dessen auch zu einem verringertem Strompreis, was als Merit Order Effekt bezeichnet wird. Dieser kann ausgehend von der statistischen Auswertung quantifiziert werden und somit ein gesamtes jährliches Preissenkungsvolumen bestimmt werden. Es wird hierzu die Steigung aus der obenstehend Geradengleichung des Jahres 2008 angewandt. Hierdurch ergibt sich ein Preissenkungseffekt von 2,4 (€/MWh)/GWhREG. Mit einer mittleren Einspeisung von 4,6 GW an Windstrom ergibt sich eine durchschnittliche Senkung des Strompreises um 11,0 €/MWh. Hochgerechnet auf den Verbrauch von 492 TWh errechnet sich ein Merit Order Effekt in Höhe von 5,4 Mrd. € für das Jahr 2008.

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Abbildung 1: Merit Order des Jahres 2008 und Preise an der EEX-Börse (mit linearer Regressionsfunktion)

 

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Autoren: Dipl.-Wi.-Ing. Serafin von Roon, Dipl.-Phys. Malte Huck