C/sells - Schaufenster für intelligente Energieversorgung geht an den Start

Veröffentlicht am 19.08.2015

Süddeutschland, 6. August 2015

Die Weichen sind gestellt: Ab 2016 soll in Süddeutschland auf Initiative der Smart Grids-Plattform Baden-Württemberg e.V. (SmartGridsBW), der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. (FfE) München und dem Energieversorger EAM aus Hessen das Projekt C/sells demonstrieren, wie die intelligente Energieversorgung der Zukunft aussieht: kostengünstig, sicher, umweltverträglich und partizipativ. Mit einem Projektvolumen von 120 Mio. € wollen dazu 63 Partner aus Industrie, Energiewirtschaft und Wissenschaft innerhalb von vier Jahren ein zelluläres Energiesystem in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen umsetzen. Bereits heute kommt etwa die Hälfte der solaren Stromerzeugung in Deutschland aus Süddeutschland. Gerade deshalb macht es Sinn, diese Region als Vorbild für Lösungen in ganz Deutschland zu sehen und zur Modellregion für die dezentrale Energiewende zu etablieren.

Die installierte PV-Leistung in den drei Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Hessen entwickelt sich rasant. Die Leistung auf Gebäuden steigt von 12,5 GW im Jahr 2015 auf 21,6 GW im Jahr 2030 um 70 %, so die Prognosen (Abbildung 1). Die Summe aller Anlagen wird bis 2030 von 17,5 GW auf 25,8 GW um knapp 50 % anwachsen. Das bedeutet, dass enorme Anpassungen in der Infrastruktur erforderlich sind, um Strom-Angebot und -Nachfrage auch in Zukunft stets zuverlässig aufeinander abzustimmen. Abbildung 2 zeigt den Stromverbrauch im Jahr 2012, aufgeteilt nach den Sektoren Industrie, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD), Landwirtschaft, Verkehr und private Haushalte. Im Projekt C/sells werden Erzeugung und Verbrauch intelligent zusammengebracht. Dabei analysieren die beteiligten Akteure Strukturdaten in regional hoher Auflösung, erproben einzelne Lösungen in autonomen Zellen in der Praxis und demonstrieren diese in der Umsetzung.

Süddeutschland ist als Modellregion prädestiniert

In der Modellregion können somit schon heute Probleme identifiziert und Lösungen frühzeitig entwickelt werden. So zeigt C/sells innerhalb der nächsten vier Jahre, wie die sichere und vernetzte Energieversorgung aussehen wird. Die in Baden-Württemberg ansässige Akteursplattform SmartGrids BW – in 2012 gegründet – koordiniert im Rahmen von C/sells insgesamt 63 Akteure aus Industrie, Energiewirtschaft und Wissenschaft, um die dezentrale Energiewende in Süddeutschland im Rahmen des Schaufensters für intelligente Energieversorgung der Zukunft umzusetzen.

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Abbildung 1: Entwicklung der installierten PV- Leistung auf Gebäuden je Regierungsbezirk bis 2030

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Abbildung 2: Aufteilung des Stromverbrauchs auf Sektoren je Regierungsbezirk im Jahr 2012

 

Mit C/sells soll - bildhaft gesprochen - ein am Sonnenlauf von Bayern im Osten über Baden-Württemberg bis nach Hessen im Nordwesten orientiertes, zellulär strukturiertes Energiesystem, etabliert werden: Der Ost-West Solarbogen. Energiebereitstellung, -nutzung, -verteilung, -speicherung und weitere Infrastrukturdienstleistungen werden innerhalb der einzelnen Zellen, z.B. Liegenschaften, Quartiere und Städte, nach dem Subsidiaritätsprinzip möglichst autonom optimiert (siehe Abbildung 3). Die Vernetzung der Zellen zu einem Verbund erlaubt darüber hinaus gemeinschaftliches Handeln für eine sichere und robuste Energieinfrastruktur. Hierbei wird ein Infrastruktur-Informationssystem (IIS) den Austausch von Energie auf lokaler und regionaler Ebene befördern. Um dem Namen des Projektes gerecht zu werden, sollen zum einen technische Lösungen („Cells") angeboten werden. Zum anderen sollen den Bürgern über die Teilnahme an der Energiewende auch neue wirtschaftliche Chancen eröffnet werden („sells"). Mit Partizipation wird so die Akzeptanz für die Energiewende weiter erhöht und eine Einladung zum Mitmachen ausgesprochen.

Mit C/sells entstehen neue Kooperationsmodelle

Quasi als DNA des zukünftigen Energiesystems sind zwölf Kernprozesse („Business Use Cases") definiert, mit denen Rollen und Zusammenwirken der traditionellen Energiewirtschaft sowie der Prosumenten in Markt und Netz organisiert werden. Schon heute gibt es in Süddeutschland über 760.000 Prosumenten, die Strom nicht nur verbrauchen, sondern auch selbst erzeugen. Die vielfältige Akteursstruktur, die alle Wertschöpfungsstufen des zellulären Energiesystems umfasst, bietet ideale Voraussetzungen, um neue Kooperationsmodelle zu entwickeln und umzusetzen. Mit C/sells wird ein fließender Übergang von der Demonstration bis zum Massenmarkt ermöglicht.

Das Schaufenster „Intelligente Energieversorgung" blickt nach Europa

Süddeutschland besitzt alle Voraussetzungen für ein eindrucksvolles Schaufenster zur „Intelligenten Energieversorgung". Die Region ist auf Grund der höchsten solaren Erzeugung in Deutschland, seiner vielschichtigen Netzstruktur mit über 420 Verteilnetzbetreibern, der Kombination von industrialisierten Ballungszentren mit ländlichen, dünn besiedelten Regionen, seinen energiewendebegeisterten Bürgern, Politikern und Investoren sowie seiner zentralen Lage im europäischen Netzverbund für dieses Projekt prädestiniert. Europäische Vorhaben sind mit C/sells abgestimmt, sodass sowohl die Vorteile der europäischen Integration wie auch eine Multiplikatorwirkung in den Nachbarländern zum Tragen kommen. Voraussetzung für eine flächendeckende Realisierung des Projekts C/sells ist eine Zusage zur Projektförderung seitens des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), die zum Herbst dieses Jahres erwartet wird.

 

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Abbildung 3: C/sells – Vielfältige Demonstratoren zur gemeinsamen Realisierung des Ost-West-Solarbogens

 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit von 63 Projektpartnern

In C/sells wirken die Projektpartner über die gesamte Wertschöpfungskette. Teilweise werden gleiche Rollen in den verschiedenen Zellen von unterschiedlichen Partnern übernommen, um die Vielfalt der Akteure im zukünftigen Energiesystem zu demonstrieren. Die Partner des Konsortiums ordnen sich den Gruppen Betreiber, Netzbetreiber, Hersteller, Wissenschaft und Transfer zu und verfügen über einen umfangreichen Erfahrungsschatz mit Smart Metering, Smart Grids und Smart Energy. Sie konnten diesen u.a. im Rahmen von vier E-Energy-Projekten erwerben.

 

Industrie, Energiewirtschaft und Forschung im Verbund

Bedeutende Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer, FfE, Universität Stuttgart, KIT, OTH Regensburg, Ökoinstitut usw. bringen wichtige Kompetenzfelder der Forschung ein. Mit den zwei Kompetenzclustern Smart Grids-Plattform BW sowie SolarCluster BW ist das fachliche Know-How zu den Projektschwerpunkten einschließlich Solar umfassend vernetzt. Aus den Verbundprojekten DEA/Flex/Master, MOS und MONA mit rund 30 Industriepartnern bringt die FfE großes Know-How in den Forschungsverbund ein. Die zur Gestaltung des digitalisierten Energiesystems notwendigen standardisierten Prozesse werden durch seit Jahren laufende Aktivitäten der EE-Bus-Initiative, der Diensteplattform OGEMA oder beispielsweise Qivicon vorangetrieben. Weitere Partner wie Schleupen, PPC, devolo, Venios oder meteocontrol treiben die verbindende Kommunikations-, Daten- und Prozessbasis voran. Die zwei Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und TenneT, sowie vielfältige Verteilnetzbetreiber von kleinen Ortschaften bis hin zu Betreibern von Flächennetzen wie Bayernwerk, EnBW in Baden-Württemberg, EAM in Hessen bieten eine hervorragende Basis zur Gestaltung der zukünftigen Abstimmung in der gemeinsamen Systemverantwortung. Mit der Forschungskooperation zum Callia-Vorhaben im Rahmen des ERA-Net-Programmes können auch die Schnittstellen auf europäischer Ebene betrachtet werden.

 

Neue Meilensteine für die Energiewende werden gesetzt

Die Betreiber neuer Formen von Marktaktivitäten bei der Bündelung von Energie und Flexibilitäten, der Gestaltung regionaler Strommarken und von Marktzuschnittsgebieten sowie der Energiedienstleistungen für Liegenschaften und die beteiligten Liegenschaftsgestalter (Ehoch4, Smart Grid Development OHG, WIRCON, Wolff & Müller Energie) bieten die Basis zur Entwicklung vielfältiger neuer Geschäftsmodelle. Hersteller wichtiger Technologiegrundlagen wie intelligente Netzkomponenten, Speicher und Automationskomponenten im intelligenten Energiesystem sind umfassend in C/sells vertreten ebenso wie erfahrene Beratungsunternehmen wie BridgingIT und Fichtner. Nicht zuletzt gestalten die Vertreter des Konsortiums in wichtigen Gremien der Politik (BMWi-Plattformen), der Technik (VDE, VDI, BITKOM, Münchner Kreis) und der Standardisierung (DKE-Lenkungskreis Smart Grid Normung, EU-Smart Grid Mandat M/490) die Systemzukunft massenfähig mit.

Mehr zu C/sells finden Sie hier:

 

Über die Smart Grids-Plattform Baden-Württemberg e.V.

Die Smart Grids-Plattform Baden-Württemberg e.V. (SmartGridsBW) versteht sich als branchen- und verbandsübergreifender Initiator, Moderator und Integrator bei der immer bedeutender werdenden Verknüpfung der Energienetze mit der begleitenden Kommunikationsinfrastruktur. SmartGridsBW hat sich erfreulich dynamisch aus der im Jahre 2012 begonnenen informellen Zusammenarbeit zahlreicher Akteure im Bereich der Energieversorgung und der Kommunikation entwickelt und weist nun über 60 Mitglieder auf. Auf dem Weg der politisch gewünschten Energiewende, hin zu einer sowohl nachhaltigen und ressourcenschonenden als auch bezahlbaren Energieversorgung, ist der schnelle und umfassende Informationsaustausch zwischen Wissenschaft, Industrie, Energiewirtschaft und nicht zuletzt auch der Politik und der allgemeinen Öffentlichkeit ein wichtiges Element zur Weiterentwicklung der Stärken und Kompetenzen der innovativen Akteure in Baden-Württemberg und darüber hinaus. SmartGridsBW ist dabei weit mehr als eine unabhängige Informationsplattform und wird mit seinen Mitgliedsunternehmen konkrete Projekte wie C/sells entwickeln und umsetzen.

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