Ungleiche Solar-Förderung

München, 19. November 2012

Erhebliche Unterschiede bei der Subventionierung erneuerbarer Energien

Am 31.10.2012 hat die Bundesnetzagentur die neuen Fördersätze für Photovoltaik (PV)-Anlagen bekannt gegeben. Demnach erhalten Besitzer von kleinen PV-Anlagen eine Vergütung von 17,9 Eurocent für jede in das Netz eingespeiste kWh Strom. So kann eine Privatperson für eine durchschnittlich große PV-Anlage (5 kWpeak) innerhalb von 20 Jahren mit einer effektiven Förderung von etwa 435 €/m² rechnen. Ein Vergleich mit Solarthermie (ST)-Anlagen, welche die Sonnenenergie nutzen, um Wärme zu generieren, zeigt erhebliche Förder-Differenzen zwischen diesen beiden solaren Energieerzeugungsanlagen. Das Marktanreizprogramm unterstützt die Errichtung von kleinen bis mittelgroßen ST-Anlagen mit einem pauschalen Betrag von 1500 €. Bei einer typischen ST-Anlage (12,5 m² mit 800 l Puffer) ergibt sich somit ein direkter Zuschuss von 120 €/m², obwohl sie pro Fläche einen höheren nutzbaren Energieertrag liefert.

Differenzierte Betrachtung wichtig

Für einen ausgewogenen Vergleich muss zum einen beachtet werden, dass dem Fördermittelgeber – im Gegenzug für die PV-Förderung – der eingespeiste Strom zur weiteren Vermarktung überlassen wird. Aus diesem Grund reduziert sich der Förderbetrag um den EEX-Baseloadpreis von derzeit 4,35 ct/kWh. Außerdem muss die höhere Wertigkeit des Stromes gegenüber der Wärme berücksichtigt werden. Durch die Gewichtung mit dem sogenannten Primärenergiefaktor lässt sich die Primärenergie-Menge (z.B. Gas, Öl oder Kohle) ermitteln, welche durch die regenerativ gewonnene Energie eingespart wurde. Für Wärme beträgt dieser Faktor 1,1, für Strom 2,6.

Vergleich_Waerme_und_Stromsektor_450

Abbildung 1:  Vergleich der EE-Förderung im Wärme- und Stromsektor

Selbst nach dieser primärenergetischen Bewertung bleibt das Ungleichgewicht der Förderbedingungen bestehen: Jede durch ST substituierte Primärenergieeinheit wird mit weniger als einem Drittel der Summe bezuschusst, die PV-Anlagen erhalten. Für PV-Strom ergibt sich eine Förderung vermiedener fossiler Primärenergie von 5,4 ct/kWh, für ST-Wärme sind es 1,7 ct/kWh1) . In ähnlicher Relation stehen die Zuschüsse pro vermiedener CO2-Emissionen über die Laufzeit von 20 Jahren: 250 €/t für PV-Systeme (bei 560 g CO2/kWh für den dt. Strommix) und 75 €/t für ST-Anlagen (bei 244 g CO2/kWh für Erdgas), vgl. Abbildung 1.

Anstrengungen im Wärmesektor verstärken

Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) entfallen – bezogen auf die Endenergie – im Mittel 15 % des gesamten Energiebedarfs von Haushalten auf elektrische Energie. Obwohl die restlichen 85 % für Warmwasser und Raumheizung aufgebracht werden müssen, besteht aufgrund der aufgezeigten Förder-Diskrepanz im Privatbereich nur ein sehr geringer Anreiz, diesen Anteil zumindest teilweise durch solare Wärme zu decken. Eine noch geringere Flächenförderung (90 €/m²) erhalten ST-Anlagen mit einer Kollektorfläche ab 16 m², welche signifikant höhere solare Deckungsanteile erreichen.

Da bei ST-Anlagen, wie auch bei der PV, ein Großteil der Wertschöpfung über die Installation generiert wird, könnte die einheimische Wirtschaft – unter der Maßgabe einer geeigneten Förderpolitik – gleichermaßen profitieren. Die Energiewende darf den Wärmesektor nicht außer Acht lassen; daher müssen von politischer Seite verstärkt Anreize zum Bau von Solarthermie-Anlagen geschaffen werden.

1) Für die Berechnung wurden hierbei alle direkten und indirekten Förderungen berücksichtigt: So müssen neben der Einspeisevergütung die durch den Eigenverbrauch von PV-Strom entgangenen Steuern und Umlagen des Strombezugspreises – sowie die zusätzlich zu entrichtende Einkommenssteuer für den Stromverkauf nach Abschreibung des Kaufpreises der Anlage – beachtet werden. Bei der ST wirken sich die Mehrwertsteuer des Kaufpreises – sowie die durch den vermiedenen Bezug konventioneller Energieträger entgangen Steuern – auf die effektive Förderung aus.

Der Artikel ist auch erschienen in der Fachzeitschrift BWK, Ausgabe 1/2, Januar 2013.

 

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