01.09.2026 | Pressemeldung

75 % Smart Meter bis 2033: Neue Studie zeigt zwei Wege für Deutschlands digitale Messinfrastruktur

München, 01.09.2026 – Branchenübergreifendes Konsortium unter Leitung der FfE skizziert zwei Zukunftspfade für die Digitalisierung von rund 60 Millionen Messlokationen und identifiziert 21 konkrete Maßnahmen zur Beschleunigung und Verbilligung des laufenden Smart-Meter-Rollouts – von Planungssicherheit über einfachere, interoperable Prozesse bis zu mehr Kooperation der Messstellenbetreiber. Die größten Hürden liegen nicht in der Messtechnik, sondern in Prozessen, IT-Interoperabilität und Planungssicherheit – Nutzen entsteht erst, wenn Daten für Kund:innen und Markt verfügbar sind.

Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) veröffentlicht gemeinsam mit Unternehmen und Organisationen entlang der Smart-Meter-Wertschöpfungskette den Abschlussbericht „Zukunftspfad Smart Meter – Maßnahmen zur Beschleunigung des Ausbaus der digitalen Messinfrastruktur in Deutschland“.

Daran beteiligt waren decarbon1ze GmbH, enercity Netz GmbH, Hochfrequenz Unternehmensberatung GmbH, metiundo GmbH, MINcom Smart Solutions GmbH, N-ERGIE AG, Octopus Energy Germany GmbH, peerMetering GmbH, Stadtwerk Haßfurt GmbH, Tibber Deutschland GmbH, Verbraucherzentrale Bayern e.V., Verbraucherzentrale NRW e.V. und Zenner International GmbH & Co. KG. Ziel war, zentrale Herausforderungen des Smart-Meter-Rollouts zu identifizieren, Lösungsräume zu diskutieren und konkrete Handlungs-empfehlungen für Politik, Regulierung und Branche abzuleiten.

Hintergrund für die Arbeit des Konsortiums war die Digitalisierung der Messinfrastruktur in Deutschland, die sich zunehmend zu einer Schlüsselvoraussetzung für die Energiewende entwickelt. Smart Meter schaffen die Grundlage für dynamische Stromtarife, die Integration von Flexibilitäten, eine bessere Transparenz über Stromverbrauch und Einspeisung sowie eine stärkere Digitalisierung und Automatisierung energiewirtschaftlicher Prozesse.

Gleichzeitig steht Deutschland vor einer strategischen Weichenstellung. Auf europäischer Ebene werden erstmals verbindliche Mindestquoten für die Ausstattung mit Smart Metern diskutiert. Bis 2030 sollen mindestens 50 Prozent und bis 2033 mindestens 75 Prozent der Messlokationen digitalisiert sein. Bei einer aktuellen Einbauquote von erst 5,5 Prozent bleibt für diese Weichenstellung wenig Zeit. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie die Digitalisierung künftig auch über die heutigen Pflichteinbaufälle hinaus gestaltet werden kann.

Dabei öffnen sich zwei zentralen Fragestellungen:

  • Wie kann die Effizienz beim aktuellen iMSys-Rollout erhöht und wie können Kosten reduziert werden?
  • Wie kann die Digitalisierung der Messinfrastruktur über die heutigen Pflichteinbau-fälle hinaus gestaltet werden und welches langfristige Zielbild möchte Deutschland verfolgen?

Einundzwanzig konkrete Maßnahmen für Politik und Energiewirtschaft

Insgesamt werden 21 konkrete Maßnahmen zur Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts identifiziert. Diese lassen sich in vier übergeordnete Handlungsfelder zusammenfassen:

1. Planungssicherheit schaffen
Die wichtigste Voraussetzung für weitere Investitionen ist aus Sicht der beteiligten Akteure ein klares politisches Zielbild. Es wird eine frühzeitige Festlegung der langfristigen Rollout-Strategie empfohlen sowie verlässliche und eindeutig definierte Ausbauquoten, um Pla-nungssicherheit für Messstellenbetreiber, Netzbetreiber und Technologieanbieter zu schaffen.

2. Komplexität reduzieren – Interoperabilität und Skalierung stärken
Ein wesentlicher Hebel liegt in der Vereinfachung technischer und regulatorischer Prozesse. Insbesondere eine stärkere Nutzung standardisierter Datenformate sowie eine Verringerung der bestehenden Prozesskomplexität könnten Betrieb, Marktkommunikation und Fehlerbehandlung deutlich effizienter gestalten. Robuste und interoperable IT-Systeme sind eben-falls eine Voraussetzung zur Skalierung des Rollouts.

3. Kundennutzen in den Vordergrund stellen
Der Nutzen von Smart Metern (dynamische Tarife, Integration von Flexibilitäten, Transpa-renz über Verbrauch und Einspeisung, etc.) entsteht nicht durch den reinen Rollout. Ebenfalls relevant ist, dass Daten für Kund:innen und energiewirtschaftliche Akteure tatsächlich verfügbar sind, und mehrwertstiftend eingesetzt werden. Ein stärkerer Kund:innen-Fokus, sowohl in der Kommunikation als auch in den Prozessen, ist von zentraler Bedeutung um die Akzeptanz für den Rollout und den Nutzen des Rollouts zu stärken.

4. Digitalisierung über den aktuellen Pflichtrollout hinaus attraktiv machen
Um die langfristigen Ausbauziele zu erreichen, muss zeitnah entschieden werden, wie Messlokationen außerhalb des heutigen Pflichtrollouts digitalisiert werden sollen. Hierzu werden zwei grundlegende Zukunftspfade gegenübergestellt.

Zwei Zukunftspfade für Deutschlands Messinfrastruktur

Pfad A: Ausweitung des iMSys-Rollouts
Ein möglicher Weg besteht darin, den heutigen Rollout intelligenter Messsysteme deutlich über die bestehenden Pflichteinbaufälle hinaus auszuweiten. Voraussetzung dafür wären weitere Effizienzsteigerungen bei Einbau und Betrieb, insbesondere im Mehrparteienhaus, sowie eine erneute Bewertung der volkswirtschaftlichen Tragfähigkeit eines deutlich breiteren iMSys-Rollouts.

Pfad B: Ergänzung des iMSys durch Smart-Meter-Light-Lösungen
Alternativ könnte die Digitalisierung auf zwei komplementären Technologien aufbauen: dem heutigen intelligenten Messsystem für Pflichteinbaufälle sowie kostengünstigeren Smart-Meter-Lösungen für die übrigen Messlokationen. Voraussetzung hierfür wären eine schnelle Definition regulatorischer Rahmenbedingungen sowie klare technische Anforderungen.

Jetzt die Weichen für die nächsten zehn Jahre stellen

Der Bericht macht deutlich, dass die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre nicht allein im erfolgreichen Abschluss des heutigen Pflichtrollouts liegt. Vielmehr muss Deutschland erstmals eine langfristige Strategie für die Digitalisierung der vielen Millionen Messlokationen entwickeln, die auch perspektivisch nicht unter die heutigen Pflichteinbaufälle fallen.
Autor:innen und Projektpartner sehen deshalb einen zeitnahen politischen Klärungsbedarf hinsichtlich des Zielbilds der digitalen Messinfrastruktur. Die Entscheidungen der kommenden Jahre werden maßgeblich darüber bestimmen, wie schnell und wirtschaftlich die Digi-talisierung des Energiesystems umgesetzt werden kann.

Über den Bericht:

Der Bericht „Zukunftspfad Smart Meter – Maßnahmen zur Beschleunigung des Aus-baus der digitalen Messinfrastruktur in Deutschland“ wurde von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) gemeinsam mit Akteuren aus Energiewirtschaft, Technologiebranche und Verbraucherschutz erarbeitet. Sie analysiert aktuelle Herausforderungen des Smart-Meter-Rollouts in Deutschland, identifiziert konkrete Maßnahmen zur Beschleunigung und diskutiert mögliche Zielbilder für die Digitalisierung der Messinfrastruktur über die bestehenden Pflichteinbaufälle hinaus.

 

Abbildung 1: Partnerunternehmen