03.03.2026 | Pressemitteilung

Optionen zur Reform der Grundversorgung für Strom

FFE veröffentlicht Studie mit Optionen zur Weiterentwicklung der Grund- und Ersatzversorgung im Strommarkt

München, 03. März 2026. Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. (FfE) hat im Auftrag von Octopus Energy eine Studie zur Reform der aktuellen Ausgestaltung der Grund- und Ersatzversorgung für Strom in Deutschland vorgelegt. Ziel der Studie war es, die bestehenden regulatorischen Regelungen systematisch einzuordnen, mit ausgewählten europäischen Ländern zu vergleichen und somit Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung der deutschen Ausgestaltung abzuleiten.

Hintergrund und Untersuchungsrahmen

Die derzeitige Grund- und Ersatzversorgung gewährleistet eine zuverlässige Belieferung von Verbraucher:innen mit Strom und erfüllt damit eine zentrale Sicherungsfunktion im Strommarkt. Gleichzeitig steht ihre Ausgestaltung seit Längerem in der Diskussion. Genannt werden unter anderem begrenzte Transparenz bei Tarifstrukturen, Effizienzpotenziale in der Preisgestaltung sowie strukturelle Wettbewerbsbeschränkungen im bestehenden System.

Zwar sind Grundversorger gesetzlich zur Veröffentlichung von Preisen und Bedingungen verpflichtet, die konkrete Struktur von Arbeits- und Grundpreisen sowie deren Herleitung bleibt für viele Verbraucher:innen jedoch nur eingeschränkt nachvollziehbar. Zudem bestehen Effizienzpotenziale, da im bestehenden System nur begrenzte wettbewerbliche oder regulatorische Anreize zur kontinuierlichen Tarifoptimierung wirken. Hinzu kommt, dass die automatische Zuweisung des Grundversorgungsmandats an das jeweils größte Versorgungsunternehmen im Netzgebiet strukturelle Wettbewerbsbeschränkungen mit sich bringt, wodurch Preis- und Innovationsdruck begrenzt bleiben.

Vor diesem Hintergrund analysiert die Studie im Auftrag von Octopus Energy die Ausgestaltung der Grund- und Ersatzversorgung in Deutschland im europäischen Vergleich. Ziel ist es, unterschiedliche regulatorische Modelle systematisch einzuordnen und mögliche Reformoptionen für eine Weiterentwicklung der deutschen Regelung zu identifizieren und zu bewerten.

Zentrale Ergebnisse

  1. Wettbewerb gezielt nutzen

Ein zentraler Reformpfad liegt in der Stärkung wettbewerblicher Elemente, insbesondere durch die Ausschreibung von Versorgungsmandaten. Ein solcher ex-ante-Wettbewerb kann Effizienzgewinne ermöglichen, Margendruck erhöhen und regionale Monopolstrukturen aufbrechen.

Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass Ausschreibungen kein Selbstläufer sind. Ihre Wirksamkeit hängt maßgeblich vom regulatorischen Design, der Ausgestaltung von Risikoverteilung und der Stabilität der Marktbedingungen ab. Vor diesem Hintergrund erscheint eine schrittweise Einführung, etwa im Rahmen einer Pilotregion mit begleitender Evaluation, als sachgerechter Ansatz.

  1. Strommarkt und Sozialpolitik trennen

Ein weiteres zentrales Reformelement ist die institutionelle Trennung von sozialpolitischer Absicherung und wettbewerblichem Massenmarkt. Derzeit werden soziale Risiken teilweise implizit über pauschal erhöhte Tarife mitgetragen. Eine gezielte sozialstaatliche Absicherung vulnerabler Haushalte würde diese Quersubventionierung reduzieren, Wettbewerbsverzerrungen verringern und die Stabilität des Endkundenmarktes stärken.

Gleichzeitig ist ein solcher Ansatz mit administrativen und politischen Umsetzungsanforderungen verbunden. Als ordnungspolitischer Zielrahmen bleibt die klarere Trennung von Marktmechanismen und Sozialschutz jedoch strukturell konsistent.

  1. Transparenz als Querschnittshebel

Mehr Transparenz in Kostenstrukturen, Preisbestandteilen und regulatorischen Verantwortlichkeiten stellt einen übergreifenden Hebel für die Weiterentwicklung der Grund- und Ersatzversorgung dar. Transparenz stärkt die Nachvollziehbarkeit von Tarifen, erleichtert informierte Wechselentscheidungen und schafft die Grundlage für wirksamen Wettbewerb.

In der Gesamtschau spricht die Analyse weniger für eine singuläre Reformmaßnahme als für einen modularen Ansatz, der wettbewerbliche Elemente, gezielte soziale Absicherung und erhöhte Transparenz kombiniert.

Ein solcher Reformpfad bietet das größte Potenzial, Kostenstabilität, Verbraucherschutz und Wettbewerb langfristig in Einklang zu bringen.

  • Unsere Analyse zeigt: Ein effizienter und zukunftsfähiger Strommarkt kann von einer Reform der Grundversorgung profitieren. Auch andere Länder haben Wege gefunden, ihre Verbraucher*innen abzusichern, ohne den Wettbewerb einzuschränken oder große Preisunterschiede hinzunehmen. Wir als FfE würden uns freuen, Reformoptionen im Rahmen eines Pilotprojekts wissenschaftlich begleiten zu dürfen und so eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen.

    Managing Director